Vorrang hat der authentische Ort der Geschichte

- Mit Verve drängten ein Vertreter des Münchner Stadtrats und einer des Bayerischen Landtags in einem Pressegespräch auf eine energische Fortführung der Planung zu einem NS-Dokumentationszentrum für München. Marian Offman, Kulturausschuss der Kommune, und Ludwig Spaenle, Vorsitzender des Kulturausschusses im Maximilianeum, beide CSU, wollen Stillstand verhindern. Sie hätten sich zusammengetan - "ein Novum" -, um eine Lösung zu schaffen: "emotionsfrei und sachbezogen".

<P>Nachdem Anfang 2003 parteiübergreifend der Wille kundgetan worden war, dieses überfällige Projekt in der einstigen "Hauptstadt der Bewegung" zu realisieren, zerbröselte dieser in den Monaten danach in Parteiengezänk, Hickhack zwischen Stadt und Staat, Ungeschicklichkeiten des Kulturreferats bei der Erstellung eines Konzepts (wir berichteten) und dem zum Teil unsensiblen Umgang mit Initiativ-/Opfergruppen.<BR><BR>Ein großer Streitpunkt ist die Besetzung der Stiftungsgremien, besonders des repräsentativen, übergeordneten Kuratoriums. Die Stadt will darin stärker vertreten sein, weil sie allein die Unterhaltskosten des Zentrums zu leisten habe, so die Argumentation. Gegenargument: Der Freistaat zahle zu einem Drittel den Bau und stelle das Grundstück; da könnten auch die Staats-Vertreter ins Kuratorium drängen. Schließlich wäre es handlungsunfähig. Offman und Spaenle verweisen immer wieder auf das Modell des NS-Dokumentationszentrums auf dem Nürnberger Reichsparteitagsgelände, das reibungslos funktioniere.</P><P>In Anlehnung daran und an das Stiftungsgesetz für die KZ-Gedenkstätten wünschen sich die Kulturpolitiker ein hochkarätiges Kuratorium (OB, Minister, Vorsitzender des Zentralrats der Juden etc.), ein breit gefächertes Gremium der gesellschaftlichen Gruppen sowie einen wissenschaftlichen Beirat. Außerdem die "Nürnberger" Projektfinanzierung: je ein Drittel Bund, Land und Stadt. Sorgen macht man sich, weil Oberbürgermeister Christian Ude zwar die Beteiligung des Bundes behauptet hat, vom Bundeskulturministerium allerdings dazu nichts vorliege. Auf Nachfrage erklärt in der Tat das Ministerium, dass kein schriftlicher Antrag eingegangen sei, über etwaige Vorgespräche könne man nichts sagen: "Regiert wird schriftlich." <BR><BR>Was neben dem Wunsch zur Zusammenarbeit höchst erfreulich ist, ist die Leidenschaft der CSU-Politiker für einen authentischen Geschichtsort, an dem das Dokuzentrum stehen soll. Damit ist die Diskussion um andere Standorte hoffentlich beendet. "Der böse Ort schlechthin" ist für Offman der Bereich der "Ehrentempel" am Königsplatz und des "Braunen Hauses" nebenan. Beide wünschen sich eine "hervorragende architektonische Auflösung" der NS-Aura dieses Platzes. Das Budget wird wie in Nürnberg mit rund 28 Millionen Euro angesetzt. Da sich Landtag und Stadtrat "einstimmig positioniert" hätten, "muss man jetzt vorangehen". Denn erst wenn alle wissen, was sie wollen, könne die Finanzierung wirklich in Angriff genommen werden.<BR><BR><BR></P>

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