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Nadine Zeintl als Truly Scrumptious (re.), hier mit Peter Lesiak als Caractacus Potts, Amelie Spielmann als Jemima Potts und Marinus Hohmann als Jeremy Potts (v. li.) im fliegenden Auto namens Tschitti Tschitti Bäng Bäng.

Vorschau auf „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“

„Und wir schwitzen wirklich“

München - Eine Vorschau auf die Premiere im Gärtnerplatztheater: Musical-Könnerin Nadine Zeintl über „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ und ihren eigenen Werdegang.

Es knattert ganz im alten Stil! Aber am Ende beschwingt musikalisch. Die realen Chitty-Bang-Bang-Rennwagen des legendären Autobastlers Graf Louis Zborowski hatten den britischen Autor und James-Bond-Schöpfer Ian Fleming zu seinem Kinderbuch „Tschitti Tschitti Bäng Bäng“ über ein Wunderauto inspiriert. 1968, vier Jahre nach der Veröffentlichung, wurde daraus, mit Musik und Songtexten von Richard und Robert Sherman, zunächst ein Film-, 2002 dann ein Bühnenmusical. Das Münchner Gärtnerplatztheater bringt nun die deutschsprachige Erstaufführung heraus (Übersetzung: Frank Thannhäuser). Intendant Josef E. Köpplinger inszeniert.

Vorab haben wir uns ein bisschen schlau gemacht bei Nadine Zeintl – schon die Sally Bowles in „Cabaret“ und jetzt die Truly Scrumptious, was übersetzt übrigens „echt fabelhaft“ bedeutet. Typ Garçonne, unkompliziert-direkt in ihren Antworten, bodenständig-gescheit in ihrer Ausstrahlung, ist Nadine Zeintl sicher die richtige Besetzung für die Süßwarenfabrikanten-Tochter Truly. Denn die packt tatkräftig mit an im Kampf gegen den bösen Baron Bomburst von Vulgaria. Aus Gier nach dem von Caractacus erfundenen schwimmenden und fliegenden Wundermobil „Tschitti“ hat nämlich dieser Bösewicht Caractacus’ Vater entführt, den er irrtümlich für den Erfinder hält.

Zurück zu Zeintl. „Ich bin schnell erwachsen geworden. Mir wurde nix geschenkt“, sagt die gebürtige Steyrerin mit diesem flott melodischen oberösterreichischen Akzent. „Ich habe meine ganze Ausbildung selbst finanziert.“ Zeintl, die zunächst am Linzer Konservatorium zeitgenössischen Tanz studiert, merkt bald: „Das ist nicht meine Tanzart. Man machte da so komischen Verrenkungen. Tanz hat für mich was mit Ästhetik zu tun. Zeitgenössische Choreographen wollen unbedingt originell sein. Auch die Regisseure heute müssen alles umdingsen. Da verliert das Theater für mich seinen Zauber.“ Mit dem Studium „Musikalisches Unterhaltungstheater“ am Konservatorium in Wien ist sie bei sich angekommen: „Man muss alles beherrschen, Operette, Musical, Schauspiel. Und wir schwitzen wirklich wie die Schweine, damit das Publikum für zwei heitere Stunden vom Alltag abschaltet.“

Dass sie immer mit Enthusiasmus und Schweiß in ihre Arbeit einsteigt, beweisen ihre substanziellen Engagements, sei es für „Die Dreigroschenoper, „Singin’ in the Rain“ oder „My Fair Lady“. Nein, Durststrecken, wie so manche freischaffende Kollegen, habe sie keine. „Ich bin in großen Produktionen an verschiedenen Theatern, spiele aber auch an Off-Theatern wie dem Klagenfurter Ensemble, der Neuen Bühne Villach oder der Garage X in Wien.“ Und zwar auch mal in einem Peter Handke oder in einer Adaption von Kafkas „Amerika“.

Zeintl ist also vielseitig erfahren. Und was hält sie von diesem „Tschitti“-Musical? „Es ist eine Fantasie-Geschichte, ein bisschen wie ,Mary Poppins‘ oder ,Alice im Wunderland‘, mit wundervoller Musik. Ich wache jeden Morgen auf mit dem ,Tschitti-Tschitti‘-Song. Alle Figuren haben ihre eigene auf sie zugeschnittene Musik. Es sind auch zwei Kinder auf der Bühne (Sohn und Tochter von Caractacus; Anm. d. Red.) und der Kinderchor. Die haben ordentlich was zu tun.“ Regisseur Köpplinger lasse allerhand Objekte durch die Luft fliegen, deutet sie – man soll ja hingehen! – Szenisches bewusst nur an. Und Ricarda Ludigkeit mische Step und Walzer in ihre Choreographie. Gibt es in diesem Spaß-Abenteuer um eine „Bond“-mäßig fliegende Kiste denn auch eine Botschaft? Zeintl: „Doch, sicher. Wenn man gegen etwas rebelliert, was nicht richtig ist, in diesem Falle gegen die Machenschaften des Barons, der ja auch noch Kinder aus seinem Reich verbannt, dann geht das nur, wenn man gemeinsam handelt, nur im Zusammenhalt. Einer der Songs heißt ja darum auch ,Teamwork‘.“

Malve Gradinger

Premiere

ist am Mittwoch im Ausweichquartier Prinzregententheater; Telefon 089/ 21 85 19 60.

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