Vorsichtiger Optimismus

- Die Schreiner, die Kascheure, die Maler, die Tapezierer, die Schlosser, kurz die Gewerke des Bayerischen Staatsschauspiels haben ihren Arbeitsplatz im Marstall. Seit zwei Wochen ist dieses Gebäude sozusagen im Hinterhof der Residenz ins Gespräch gekommen dahingehend, ob es nicht die geeignete Immobilie sei für einen weiteren Konzertsaal in München (wir berichteten).

Nun führte Dieter Dorn, Intendant des Bayerischen Staatsschauspiels und damit Hausherr auch des Marstalls, durch den einstigen Pferdestall der bayerischen Könige. Zeigte, dass das Haus nicht nur Kulissenlager ist, sondern die wichtigen Werkstätten beherbergt und natürlich den Theaterraum Marstall. Acht Stücke befinden sich dort im Repertoire, vier weitere kommen noch in dieser Spielzeit dazu. Dorn: "Dieser Marstall ist ein zentraler Punkt unserer Arbeit." Die Spielstätte sei unverzichtbar. Und auch dass sich die Werkstätten in unmittelbarer Nähe des Theaters befinden, ist für Dorn nicht anders denkbar. Vorsichtiger Optimismus schwingt mit, wenn er sagt: "Der Finanzminister hat uns zugesichert, sich dafür einzusetzen, dass im Falle einer Umwidmung des Marstalls die Werkstätten als Präsenzwerkstätten nahe am Haus bleiben werden und ebenso eine Bühne mit 200 bis 250 Plätzen eingerichtet wird." Denn wenn der Marstall mit 1600 Quadratmetern Grundfläche eine neue Bestimmung erhält ­ ob als Konzertsaal oder als eine Art europäisches Kulturlabor ­ wird ein Anbau auf der Marstall-Rückseite notwendig.

Dass man in diesen Fragen Dorn und sein Theater nicht im Stich lässt, ist anzunehmen ­ bei den hervorragenden Zahlen, die er aufzuweisen hat. Besucher in der vergangenen Spielzeit: 201\x0f582. Und das trotz 96 Streiktagen. Der finanzielle Verlust durch den Theaterstreik betrug 628\x0f963 Euro; die Summe setzt sich zusammen aus Einnahmeausfällen (326\x0f797 Euro) und Streikaufwendungen (302\x0f166 Euro). Letztere wurden vom Finanzministerium zurückerstattet. "Aber auf den Einnahmeausfällen", klagt Dorn, "lässt man uns sitzen. Wir als Theater haben mit dem Streik eigentlich nichts zu tun gehabt. Das war eine Auseinandersetzung der Staatsregierung mit Verdi."

Kinderbetreuung inbegriffen

Da man dennoch nicht in die roten Zahlen gerutscht sei ­ dank der Rechenkünste von Verwaltungschef Holger von Berg ­, kann man sich nun auch so richtig über die Erfolge freuen. Die Auslastungszahlen sind bemerkenswert: das Residenztheater lag im Januar bei 92,22 Prozent. Die best besuchten Aufführungen in jenem Monat: "Maß für Maß" und "Offener Vollzug", "Nathan der Weise", "Androklus und der Löwe" sowie "Floh im Ohr". Alle zwischen 93 und 99 Prozent. Mit noch sieben ausstehenden Premieren in der laufenden Saison besteht Hoffnung, die Besucherzahlen vom Vorjahr noch zu steigern.

Dass sich auch die Staatstheater verstärkt um den Publikumsnachwuchs kümmern müssen, ist eine Binsenweisheit. Neben der gut gestarteten Jungen Akademie bieten Dorn und seine Leute jetzt auch Theater mit Kinderbetreuung an: Die Eltern gehen in eine Nachmittagsvorstellung, ihre Kleinen geben sie zu eigenem Spiel bei Theaterpädagogin Cindy Jänicke ab. Die Theaterwerkstatt ist kostenlos und richtet sich an Kinder zwischen fünf und zehn Jahren. Erste Möglichkeit: 1. April im Marstall, "Gier"; "Androklus und der Löwe" soll folgen.

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