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Gustav Kuhn (72) rief im Jahr 1997 die Festspiele Erl ins Leben und ist seitdem künstlerischer L eiter.

Gustav Kuhn im Kreuzfeuer

Schwere Vorwürfe gegen die Tiroler Festspiele

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Den Tiroler Festspielen wird Ausbeutung, Lohndumping und Machtmissbrauch vorgeworfen. Mittlerweile hat Gustav Kuhns Festival Klage erhoben.

Erl - „Machtmissbrauch“, „unterirdische Arbeitsbedingungen“, „Abgabenhinterziehung“, „Kunst der Ausbeutung“: Die Tiroler Festspiele sehen sich gerade mit schweren Vorwürfen konfrontiert. Urheber ist der österreichische Journalist Markus Wilhelm, der in seinem Internet-Blog „dietiwag.org“ die angeblich widerrechtlichen Zustände bei dem Inntaler Festival anprangert. Dieses hat inzwischen reagiert und Klage erhoben.

Wilhelms Vorwürfe sind nicht unbedingt neu. Schon seit Längerem wird gemunkelt, Erl zahle seinen Beschäftigten – ob auf oder hinter der Bühne – nur Niedrigstlöhne und begründe dieses unter anderem damit, dass Kost und Logis frei seien. In dieser Massivität wurden das Festival und sein dirigierender Chef Gustav Kuhn allerdings noch nie angegriffen.

Erl beschäftigt unter anderem Chorsänger und Musiker aus Minsk, die Opernrollen werden meist mit jungen Solisten aus Kuhns italienischer Accademia di Montegral besetzt. Auf seiner Internet-Seite listet Markus Wilhelm eine Reihe von Äußerungen auf, die angeblich von Angestellten oder ehemaligen Beschäftigten der Festspiele stammen. Das Problem: Alle Zitate sind anonym. Darin wird ein Klima der Angst beklagt und dass „Musiker wie Sklaven gehalten“ würden. Auf einem dort abgedruckten Dienstvertrag für Musiker, Choristen und Assistenten wird eine Bruttogage von 2280 Euro aufgeführt. Diese gelte für zwei Monate, was einen Tagessatz von 38 Euro ergebe. Darüber hinaus ist die Rede von „sexuellen Übergriffen“ und von einer Frau, die laut dieser Einlassung zu Gustav Kuhn aufs Zimmer gebracht wurde.

„Nur die Spitze des Eisbergs“

Zu den Vorwürfen wollen die Tiroler Festspiele nicht Stellung beziehen. Schließlich, so deren Sprecherin Angelika Ruge, handele es sich um anonyme Äußerungen. „Außerdem würden wir den Vorwürfen sonst eine Wichtigkeit verleihen, die sie nicht verdienen.“ Auch Kuhn wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht dazu äußern. Alles, so der Festspiel-Leiter, sei einem Anwalt übergeben worden.

Inzwischen haben sich – offenbar auf Betreiben des Festivals – einige Künstler zu Wort gemeldet. Der Sänger Giovanni Parodi schreibt etwa, dass die Gagen „absolut normal“ seien. Der Kollege Hui Jin meint, „die behaupteten sexuellen Übergriffe habe ich hier niemals gesehen“. Pianist Emanuele Lippi ist der Ansicht, die Arbeitszeiten seien „völlig in Ordnung“.

Blogger Markus Wilhelm fürchtet die Auseinandersetzung mit den Festspielen offenbar nicht. Gegenüber der Zeitung „Der Standard“ sagte er: „Auf diese Auseinandersetzung freue ich mich. Das bisher Berichtete ist nämlich erst die Spitze des Eisbergs.“ In Österreich hat Wilhelm schon mehrfach Aufsehen erregt. So hat er unter anderem den Einfluss deutscher Stromkonzerne auf den Vorarlberger und Tiroler Energiemarkt untersucht. Daraufhin wurde er vom österreichischen Anbieter Tiwag verklagt, der allerdings in zwei Instanzen verlor. Eines seiner Themen ist auch die Verflechtung von Firmen mit den Parteien ÖVP und FPÖ.

Ein Ende des Erler Konfliktes ist derzeit nicht abzusehen. Möglich, dass sich demnächst noch mehr Beteiligte zu Wort melden. Ein Insider, dessen Name unserer Zeitung bekannt ist, ließ wissen, dass er die Vorwürfe sexueller Übergriffe „nicht abstreiten“ könne. Überdies würden Künstler eingeschüchtert und quasi an Erl gekettet, weil sie andernorts kaum Engagements bekämen. Leider sei vieles, was im Blog von Markus Wilhelm aufgeführt werde, „einfach wahr“.

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