Auf dem Vulkan

- Das soll's ja auch im richtigen Leben schon mal geben, was sich der Erfolgsboulevardier Bernard Slade in seiner "Romantischen Komödie" ausgedacht hat: Ausgerechnet am Morgen seiner Hochzeit mit einer guten Partie, der reichen, hübschen Diplomatentochter Allison St.James, schneit dem New Yorker Bühnenautor Jason Carmichael eine andere Frau ins Haus. Und, hoppla, zwischen den beiden funkt es auf den ersten Blick. Zu spät! Zu spät?

Ob oder ob nicht, das spielen jetzt Sigmar Solbach und vor allem Silvia Seidel mit einem seltenen, psychologisch feinen Charisma - glückhaft weit weg von jeglicher Boulevard-Routine (Münchner Komödie im Bayerischen Hof). Da war natürlich auch eine Regisseurin mit Fingerspitzengefühl am Werk. Mit Stil rundum: Pia Hänggi ließ sich von Annemarie Rieck schick- stimmige Garderobe entwerfen und von Claudia Weinhart ein leicht gestuftes Wohn- & Work-Loft, mit Breitwandblick auf New Yorks Skyline unter stahlblauem Himmel. Das bringt Weite, Frische, spricht unmittelbar an.

Und gleich geht es mit Rasanz rein in die Handlung, wenn diese schriftstellerisch begeisterte Provinzlehrerin Phoebe auftaucht. Silvia Seidel hat schauspielerisch noch mal einen Sprung gemacht. Sie ist wunderbar: glühend in bewunderndem Jungeifer, linkisch, dennoch gescheit und - sehr attraktiv in ihrer schüchtern-verqueren Komik. Da kann Jason einfach nicht anders, als Phoebe (griechisch: die Glänzende!) zumindest als Schreibpartnerin zu engagieren.

Wie Seidel/ Phoebe und Solbachs zwischen zwei Frauen so bequem unentschlossener Jason (!) auf dem Vulkan zurückgedämmter Gefühle als perfektes Autorenteam zehn Jahre lang eine intellektuelle Ersatzehe führen, oft riskant kurz vor, aber dann doch die erotische Explosion umgehend, steigert dieses gut geschriebene Stück zum meisterlichen Kammerspiel. Die anderen Figuren sind mehr oder weniger Stichwortgeber, aber Hänggis Crew leistet diesen Service mit Bravour: Irma Wagner als tolerante Ehefrau, Monika Goll als weitsichtig-mütterliche Agentin, Markus Vogelbacher als Phoebes Kurzzeit-Ehemann. Am Ende doch noch Happy-End - aber ein realistisch gereiftes . . .

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