Wach und schön

- Fliegende BHs, Geldscheine im Slip, ausgelassene Altenheim-Bewohnerinnen - wenn Pascal Breuer (39) mit "Ladies Night" auf der Bühne steht, passiert so manches, was den ehrgeizigen Münchner zum Feixen bringt. Und doch sei Folke Brabands Inszenierung des Erfolgsstücks von Sinclair und McCarten, die heute nun auch in der Komödie im Bayerischen Hof Premiere feiert (20 Uhr), "kein reines Frauenfestival". "Wir sind die Alternative zur Fußball-WM 2006!", wirbt gar die Komödie.

"Ladies Night" feierte auch als "Ganz oder gar nicht" einen gewaltigen Kinoerfolg. Warum kommt die Komödie so gut an?

Pascal Breuer: Braband hat das Stück stark bearbeitet, nah am Film, was sicherlich auch den Erfolg ausmacht. Wir haben oft erlebt, dass Mädels dachten, da wird jetzt Nummernrevue gemacht, Chippendales. Aber das Stück erzählt die Geschichte von sechs arbeitslosen Stahlarbeitern, die verzweifelt sind und etwas tun, was dem klassischen Macho widerspricht: vor Mädels tanzenderweise die Hosen ausziehen. Zu beobachten, wie sie ihre Ängste überwinden und erfolgreich sind mit etwas, wofür alle anderen sich schämen würden, macht vielen Spaß, Männern wie Frauen.

Auch Ihnen?

Breuer: Das ganze Stück macht wahnsinnigen Spaß, weil die Fallhöhe so groß ist. Es beginnt für eine Komödie sehr brutal, ungewohnt für ein bestimmtes Komödienpublikum. Ein interessantes Wagnis. Zunächst sagt man: O Gott, die Jungs möchte ich auf keinen Fall nackt sehen! Man lernt dann aber jede Figur für sich lieben. So ist der Schluss, wenn die Hüllen wirklich fallen, für alle ein Erfolgserlebnis.

Aber ist der Gag nicht, dass da schräge Typen tun, was überhaupt nicht zu ihren Bierbäuchen passt? Wohingegen das Münchner Publikum ja durchaus etwas fürs Auge bekommt.

Breuer: Wir haben Glück! (lacht) Wir sind aber auch nicht die klassischen Dreamboys, weil jeder der Jungs seine Ängste und Brutalität zur Schau trägt.

Braband hat das Stück erstmals 1999 in Berlin inszeniert, seitdem ist es sein Steckenpferd.

Breuer: Wir haben jetzt über hundert Vorstellungen, und nach so langer Zeit droht jedes Stück sich totzulaufen. Doch Braband ist prädestiniert dafür, den Schauspielern so viel Futter zu geben, dass man wirklich eine Geschichte erzählen kann. Das macht Spaß. Das Stück ist lang erprobt und gewachsen. Das hält es wach und schön.

Sie haben fünf gleichberechtigte Darsteller an Ihrer Seite. Macht das die Arbeit leichter?

Breuer: Es ist eine Teamarbeit, die größtmöglichen Unterhaltungswert bringen soll. Die Herausforderung ist für mich groß, denn ich spiele einen komplexen Charakter: die Rolle des Initiators der ganzen Geschichte, der von der Russenmafia verfolgt wird und Ärger hat mit dem Sorgerecht für sein Kind. Ich muss der Dramatik den gleichen Platz einräumen wie der Komik. Das ist eine schöne und wichtige Erfahrung.

Sie sind nominiert für den diesjährigen Merkur-Theaterpreis.

Breuer: Das finde ich wunderbar, ich habe mich wahnsinnig gefreut. Die Preisverleihung findet ja in der Otto-Falckenberg-Schule statt, wo man mich vor zwanzig Jahren rausgeschmissen hat. Das passt zu meiner Maxime: Hinfallen ist keine Schande, nur nicht wieder aufstehen ist eine Schande.

Das Gespräch führte Teresa Grenzmann

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