Wacher Geist mit Lebensart

- Dass er heute seinen 70. Geburtstag feiern und weiterhin schreiben kann, verdankte er im vergangenen Jahr einer Art glücklicher Wiedergeburt nach lebensbedrohlicher Krankheit (Aneurysma): Hans Riehl, früherer langjähriger Chefredakteur und Mitglied der Gründungsmannschaft der tz, dem das Schicksal unter anderem eine goldene Feder in die Wiege gelegt hat.

Dem in Altötting geborenen eingefleischten Münchner ist längst bescheinigt worden, in welcher Gewichtsklasse er die Herausforderungen gestemmt hat: Er sei zu einer Institution geworden und schreibe seinen Lesern "aus der Seele direkt in den Kopf", rühmte Ministerpräsident Edmund Stoiber anlässlich Riehls 65. Oberbürgermeister Christian Ude bescheinigte ihm schon "geistige Widerhaken" und "Nadelstiche gegen den Zeitgeist". Und die frühere SPD-Bayernchefin Renate Schmidt hat nachgerechnet, dass der Hoegner-Preis-Träger Riehl auf 25 Zeilen Dinge treffsicherer darstellen kann als andere auf dem doppelten Platz und dass sein Stil bisweilen sarkastisch, nie aber zynisch sei.<BR><BR>Gerade dieser letztere Zug ist bei einem, der als wacher und kritischer Geist seinen Lesern gern die vielen hohlen Sprüche im Land in die Wirklichkeit übersetzt, nur auf besondere Menschenfreundlichkeit zurückzuführen. Seine unaufgeregte, souveräne und immer wieder ironisierende Art dürfte aber auch dem Umstand zu verdanken sein, dass der Hans Riehl viel von Lebensart, bedeutenden Stammtischen, Schafkopf, Theater und Kultur versteht und neben seiner Familie (Frau und drei Kinder) noch viele ehrliche Freunde hat.<BR><BR>Seine beliebte tz-Kolumne "Der Stadtschreiber" hat er samt dem Druck zur regelmäßigen Ablieferung zwar hinter sich gelassen - ein Zugeständnis an seine gesundheitliche Situation. Doch der vielfache Buchautor und frühere Redakteur auch dieser Zeitung schreibt weiter: Derzeit eine zeitgeschichtliche Serie zum Kriegsende vor 60 Jahren mit zum Teil selbst erlebten Szenen. Die goldene Feder rostet nicht.

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