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Bieten einen Rundumschlag: Andreas Lipperer, Bernhard Gruber, Jürgen Kirner und Bianca Bachmann (v.li.).

Couplet-AG: „Wänn will haben Leichen, ich machä sälberr!“

München - „Perlen für das Volk“: Die Couplet AG stellte ihr neues Musikkabarett-Programm zum 20-Jahre-Jubiläum vor

Was haben Markus Söder, Christian Ude und der TSV 1860 gemeinsam? Sie bleiben als Kollateralschäden am Wegesrand, wenn die Münchner Couplet AG sich aufmacht, das Glück zu finden. „Perlen für das Volk“ heißt das neue Programm, das Frontmann Jürgen Kirner zum 20-jährigen Bühnenjubiläum geschrieben hat.

Erstmals sind nun auch die beiden Musiker voll ins Spiel integriert. Da kobolzt Neuzugang Andreas Lipperer als Glücksfee Penelope mit hilfreichen Sprüchen durchs Programm („Wer den Kopf in den Sand steckt, sollte mit dem Hintern atmen können“). Und  Bernhard  Gruber, einen abgetrennten Arm statt des Akkordeons  in der Hand, zerlegt als Manni vom Wertstoffhof  lustvoll  die  „Da  bin i dahoam“-Idylle des Bayerischen  Rundfunks.

Dreh- und Angelpunkt bleiben freilich Jürgen Kirner, der chamäleongleich den fiesen Rasso vom Inkasso ebenso glaubwürdig verkörpert wie den verwirrten Dr. Kudernak, den skrupellosen Profit-Mediziner und den fürsorglichen Bürger, der die Beamten-Patenschaft („Nehmen S’ nur einen mit Untätigkeitsnachweis“) als Steuerspar-Trick anpreist. Nicht minder spielfreudig Bianca Bachmann, die gesanglich zugelegt hat. Ob als Olga von der Wolga, die die Sechzger nicht geschenkt haben will („Wänn will haben Leichen, ich machä sälberr!“), als Bierbauch-narrische Nymphomanin oder als Schwangere, die ihr Kind mittels pränataler Frühförderung auf eine FDP-Karriere vorbereitet („8 bis 11 Uhr Fötenmathematik, danach Fruchtwasserballett“): Bachmann brilliert als Allround-Talent und scheut auch den Kontakt mit dem Publikum nicht.

In bewährter Manier mischt die Couplet AG bei der München-Premiere auf der Bühne des Kulturkreises Ramersdorf-Perlach Sketche und Lieder, die irgendwo zwischen Couplet und Kabarettsong changieren. Und dabei bekommen alle etwas ab, allen voran die Politik. Da werden „Söder rektal-Zapferl“ als Karriere-Beschleuniger angepriesen („schnell zugreifen, weil die Söder-Produktion demnächst eingestellt wird“), OB Ude wird als fleischgewordner Ozapfschlegel besungen, und selbst Ilse Aigners „madonnenhaftes Erscheinungsbild“ erweist sich glückstechnisch als fragwürdig. Denn das Glück ist eine Matz – und eine Frage der Perspektive. Zum Beispiel, wenn die Brotfabrik als „der Kakerlake höchstes Glück“ besungen wird. Oder wenn das Gratis-Pflegeheim Haus Abendrot sich als Pharma-Versuchslabor entpuppt. Von der Kirche über die Schnäppchen-Gesellschaft bis zur Latte-macchiato-Mami und dem allgegenwärtigen Alfons Schuhbeck reicht der Rundumschlag der Couplet AG. Eine vergnüglich-ernste, manchmal deftige Bestandsaufnahme der Gesellschaft, die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Peter T. Schmidt

Termine:

www.couplet-ag.de.

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