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Der Bau als Chance: Max Wagner wechselt ab kommendem März in die Geschäftsführung des Gasteigs und wird ab 2017 für dessen Generalsanierung verantwortlich sein.

Max Wagner folgt auf Brigitte von Welser

Dieser Motivator wird die Gasteig-Sanierung managen

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München - Das Ende einer Ära: Der ausgebildete Sänger und Jurist Max Wagner wird die Gasteig-Generalsanierung managen und übernimmt von Geschäftsführerin Brigitte von Welser.

Auf den Tag genau 30 Jahre vor dieser Pressekonferenz ist der Gasteig eröffnet worden. 2400 Zuhörer lauschten am 10. November 1985 den Philharmonikern unter Generalmusikdirektor Sergiu Celibidache. Wenig später hatte der junge Max Wagner in der neuen Philharmonie seine „ersten Konzerterlebnisse“, sagt er. „Später habe ich als Vorbereitung auf mein Musikstudium hier im Konservatorium Kurse besucht, habe Stunden über Stunden in der Bibliothek verbracht.“

Natürlich sind nicht bloß wohlige Jugenderinnerungen an den Gasteig der Grund dafür, dass Max Wagner hier ab Frühjahr 2017 neuer Chef wird: Als Geschäftsführender Direktor des Gärtnerplatztheaters betreut er seit 2012 dessen kompletten Umbau. „Was ich dabei gemerkt habe – und das mag sich vielleicht komisch anhören –, ist: Ich habe dort eine Leidenschaft fürs Bauen entdeckt.“

Wagner ist ein Motivator

Man ahnt, warum der Mann mit dem offenen Lächeln sich laut Bürgermeister Josef Schmid (CSU) gegen „zig Bewerber“ durchgesetzt hat: Wagner ist ein Motivator. Auch am Gärtnerplatz ist ja finanziell und zeitlich nicht alles glatt gelaufen. „20 bis 30 Planer treffen sich dort wöchentlich in Sitzungen“, erzählt Wagner, „und sie zerfleischen sich dort auch teilweise. Aber das ist Teamwork. Wenn man dazu beitragen kann, dass alle wieder an einem Strang ziehen, dass Lösungen gefunden werden – das begeistert mich.“

Brigitte von Welser zeigt sich nicht minder begeistert von der Wahl ihres Nachfolgers: „Max Wagner hat Erfahrung mit Interims-Spielstätten, wie wir sie ab 2020 brauchen werden – er musste für das Gärtnerplatztheater eine neue Struktur finden. Das sind Pfründen, mit denen wir zu wuchern hoffen.“ Wagner zollte von Welser Anerkennung für ihre „jahrelangen Kämpfe“ für den Gasteig und dessen Sanierung. Bevor er 2017 von ihr übernimmt, soll er ab dem kommenden März ein Jahr von Welsers Stellvertreter sein. „Als Lehrbua“, wie er lachend anmerkt, „und noch nicht bei vollem Gehalt.“

Jura in München, Gesang in Dresden und Mainz

Der 1969 in München geborene und im Weiler Pischetsried bei St. Heinrich am Starnberger See aufgewachsene Wagner studierte Jura in München und Paris, dann Gesang in Dresden und Mainz. Zunächst arbeitete er als Rechtsanwalt und Sänger. Von 2005 bis 2011 war er Geschäftsführender Intendant des Stuttgarter Kammerorchesters, er brachte das renommierte Ensemble in wenigen Jahren aus einer desolaten Lage wieder wirtschaftlich und künstlerisch auf Vordermann. Zudem engagiert er sich im Beirat für Kulturelle Bildung des Landes Baden-Württemberg und in der International Society for the Performing Arts (ISPA).

„Ich verbinde Kunst und Management"

So ganz trennt Wagner die organisatorische und die künstlerische Tätigkeit auch am Gärtnerplatz nicht, er versteht sich hervorragend mit Intendant Josef E. Köpplinger, und er berät ihn auch. „Ich verbinde Kunst und Management.“ Als Fingerzeig für seine Zukunft im Gasteig will er dies freilich nicht verstanden wissen. Er werde kein übergeordneter Intendant, betont er. „Meine Aufgabe ist die eines Vermieters und Verwalters.“ Freilich sei es auch wichtig, dass der Gasteig mit seinem breiten Spektrum „noch präsenter“ werde. Da schade es sicher nicht, dass er in der Künstlerszene gut vernetzt sei. „Ich verstehe die Künstler – weiß aber auch, was machbar ist.“

Schmid, Chef des Gasteig-Aufsichtsrats, hört den Ausführungen seines neuen Motivators zufrieden zu. Dann schneiden er, von Welser und Wagner noch eine große Geburtstagstorte an und lassen die Stücke an Gasteig-Besucher verteilen.

Am 21. Mai 2016 lädt das Kulturzentrum ein zu einem großen Geburtstags-Sommerfest unter dem Motto „Der Gasteig tanzt“. Spätestens dann, so hofft von Welser, werde man weitere Details zu der Generalsanierung und zu Interims-Spielstätten bekanntgegeben haben. „Ich glaube, das ist ganz wichtig“, ergänzt Wagner. „Die Bauphase wird immer so negativ dargestellt. Doch sie ist eine Chance zur Veränderung und zur Verbesserung.“ Er selbst sollte genügend Zeit haben, diese Chance zu ergreifen – wenn es nach der Gasteig-Tradition geht. Wagner ist erst der dritte Geschäftsführer hier. Bis 1998 hatte Eckard Heintz den Posten inne, seitdem Brigitte von Welser. „Geschäftsführer haben die Tendenz, sehr lange im Gasteig zu arbeiten“, sagt die. „Und sie tun es mit Herzblut.“

Warten auf den nächsten Schritt

„Bitte keine Verzögerungstaktiken mehr“, flehte die amtierende Gasteig-Geschäftsführerin am Dienstag bei der Vorstellung ihres Nachfolgers in Richtung des Münchner Stadtrats. Die weitere Planung der Generalsanierung des Kulturzentrums in Haidhausen von 2020 bis etwa 2025 müsse zügig vorangetrieben werden.

Der Grundsatzbeschlus steht. Aber bislang sind die wichtigsten Fragen noch nicht geklärt. Es gibt weder eine klare Ansage darüber, wie lange der Gasteig geschlossen werden muss („mindestens zwei Jahre“), noch zu den Kosten. Die Stadt prüft weiterhin zwei Varianten. Die Rede ist von etwa 320 Millionen Euro „netto“, was in Summe weit mehr als eine halbe Milliarde Euro bedeuten kann. Auch ist noch nicht entschieden, wo sich die Interims-Standorte für die Stadtbibliothek, die Volkshochschule und vor allem für die Philharmoniker befinden werden. „Wir brauchen bald ein gut gelegenes Ausweichquartier“, forderte von Welser.

Der Geschäftsführerin zufolge ist in ihrem Haus ein neuer Bereich namens „Zukunft Gasteig“ gegründet worden. Hier machten sich unter anderem zwei Architekten und ein Bauunternehmer Gedanken über die kommende Umgestaltung. „Hier wird sich Herr Wagner am meisten einbringen“, sagte sie mit Blick auf ihren Nachfolger.

Bilder: Max Wagner als Gasteig-Chef vorgestellt

Johannes Löhr

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