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Münchens „Ring“ rundet sich: Am kommenden Samstag hat Andreas Kriegenburgs Inszenierung der „Götterdämmerung“ Premiere im Nationaltheater, hier eine Szene mit Nina Stemme als Brünnhilde und Hans-Peter König als Hagen.

Münchner Opernfestspiele

Wagners Wogen schwappen ins Freie

München - Eben noch war Wagners „Ring des Nibelungen“ eine nackte Tatsache, nun liefern die Münchner Opernfestspiele die kostümierte Version. Die „Götterdämmerung“ hat am kommenden Samstag im Nationaltheater Premiere.

Über dem Nationaltheater entlädt sich ein heftiger Gewitterschauer. „Oh, das ist ja ein Hurrikan!“, staunt Kent Nagano in einer Probenpause – ganz entspannt und im Trockenen. Denn noch wird im Haus musiziert und geprobt. Das ändert sich aber am 14. Juli. An jenem Samstag übersiedelt er mit den Musikern des Bayerischen Staatsorchesters wieder ins Freie: zu „Oper für alle“ auf dem Marstallplatz. Dem Konzertabend (Beginn: 20 Uhr) folgt am Sonntagnachmittag des 15. Juli ab 17 Uhr die Übertragung von Richard Wagners „Götterdämmerung“ auf den Max-Joseph-Platz. Und für beide Festspiel-Ereignisse baut die Staatsoper, auch Sponsor BMW und unsere Zeitung als Medienpartner auf einen gnädigen Wettergott…

Nagano steht heuer zum sechsten Mal auf der Freilichtbühne und freut sich schon, vor allem aufs Münchner Publikum. „Es bringt eine solche Spannung mit, dass wir uns auf der Bühne den Zuhörern auf dem weiten Platz sehr nahe fühlen, selbst wenn es 10 000 sind.“ Diese Verbundenheit zwischen Publikum und Orchester basiere auf einer 200-jährigen Tradition und erfahre auch durch solche Konzerte immer wieder eine Erneuerung.

Nicht ohne Stolz erinnert Nagano daran, dass er mit seinen Musikern sogar schon schwerere Kost, nämlich Anton Bruckners vierte Symphonie oder Richard Strauss’ „Vier letzte Lieder“ in die laue Sommerluft hinein musizierte. „Und das Publikum hörte jedes Mal sehr konzentriert zu.“ Heuer – der „Ring des Nibelungen“ rundet sich zu Festspielbeginn mit der Premiere der „Götterdämmerung“ – schwappen Wagners Wogen nach draußen. Als Appetitmacher für die „Götterdämmerung“ erklingt bereits im Oper-für-alle-Konzert eine gute Stunde „Ring“-Musik.

„Wir spielen eine orchestrale Fassung des Niederländers Henk de Vlieder, der in seinem Arrangement ‚Der Ring – ein Abenteuer für Orchester‘ einen sehr speziellen Blick auf Wagners Musik hat“, sagt Nagano. „Er sitzt nämlich als Pauker selbst im Orchester, und ihm liegt daran, alle im Orchestersatz steckende Energie und Virtuosität zu präsentieren.“

Der Generalmusikdirektor schwärmt davon, dass diese instrumentale Fassung Wagner als revolutionären Orchester-Komponisten zeige, dessen Wirken großen Nachklang in ganz Europa fand. In Vlieders „Ring ohne Wörter“, der nur gut eine Stunde dauert, tauchen selbstverständlich die wichtigen Leitmotive aus „Rheingold“, „Walküre“, „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ auf. Zur Tradition von „Oper für alle“ gehört ein Auftritt des „Attacca“-Jugendorchesters. Unter der Leitung von Allan Bergius steigen die jungen Musiker allerdings nicht in Wagner’sche Rheintiefen hinab, sondern widmen sich Smetanas „Moldau“. „Auch da spielen Natur und Fluss eine wichtige Rolle, und die Moldau ist, ähnlich wie der Vater Rhein, ein geschichtsträchtiger und emotionsbeladener Strom“, betont Nagano. Zur Zugabe vereinen sich dann Staats- und Jugendorchester unter Nagano „zu einem ironischen Augenzwinkern“.

Wer nach dem orchestralen „Ring“-Extrakt Lust auf mehr bekommen hat, der sollte am nächsten Nachmittag sein Picknick-Körbchen gut füllen. Denn die Live-Übertragung der „Götterdämmerung“ aus dem Nationaltheater auf den Max-Joseph-Platz beginnt um 17 Uhr und dauert sechs Stunden. Ob je irgendwo schon einmal so gutes Sitzfleisch von Open-Air-Besuchern verlangt wurde? Nagano lacht, er weiß es nicht. Aber er ist zuversichtlich: „Unser Publikum hier in München ist ein ganz spezielles und kenntnisreiches.“

Marstallplatz oder Max-Joseph-Platz – welchen von beiden bevorzugt der Maestro fürs Oper-für-alle-Konzert? „Ich mag sie beide. Auf dem Max-Joseph-Platz, vor der herrlichen Kulisse des Nationaltheaters und mit Restaurants und Geschäften im Hintergrund, fühlt man sich wirklich mitten in der Stadt. Der Marstallplatz ist ruhiger, intimer, auch in puncto Akustik. Und man sieht die Baumwipfel aus dem Englischen Garten…“

Noch eine Saison lang wirkt Nagano an der Isar. Wechselt er danach an die Alster, zur Hamburgischen Staatsoper? „Das ist jetzt kein Thema für mich. Ich lege den Fokus auf meine letzte Spielzeit in München mit der Wiederholung des ‚Ring‘ und der Uraufführung von Jörg Widmanns Oper und arbeite weiterhin mit meinem Orchester in Montreal. Ich freue mich auch, danach zeitlich etwas flexibler zu sein und bin gespannt auf das, was kommt.“

Gabriele Luster

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