Der Wahnsinn, Krieg genannt

- Günter Grass wirft den USA im Irak-Konflikt "Heuchelei" und "Hybris" vor. "Dieser drohende Krieg ist gewollt", schrieb Grass in einem Exklusiv-Beitrag für die Deutsche Presse-Agentur. "Es geht wiederum ums Öl." Er hoffe, "dass die Bürger und die Regierung meines Landes unter Beweis stellen werden, dass wir Deutschen aus selbstverschuldeten Kriegen gelernt haben und deshalb Nein sagen zu dem fortwirkenden Wahnsinn, Krieg genannt".

<P>Grass: "Wir kennen die Machart, nach der man sich einen Feind, sollte er fehlen, erfindet." Er kritisierte auch die westliche Sicht, "nur die relativ wenigen Toten der herrschenden Weltmacht" zu zählen, "während die Masse der toten Feinde samt deren Frauen und Kindern ungezählt bleibt und keiner Trauer wert ist".</P><P>Ohne den Golfkrieg von 1991 zu erwähnen, prangerte der Nobelpreisträger die Kriegsberichterstattung in den Medien an. "Weil wir seine vom detaillierten Schrecken gesäuberte Bilderflut kennen, . . . erwarten wir eine Fortsetzung des Krieges als Seifenoper, unterbrochen nur von Werbespots für friedliche Konsumenten." Grass erinnerte daran, dass der Westen Saddam Hussein im Krieg gegen Iran (1980-1988) noch unterstützt hatte und dieser nun als Diktator geächtet werde. Die offizielle Zielsetzung der USA, nach einem Sieg über Hussein im Irak Demokratie einzuführen, wirke nicht überzeugend. Denn die Nachbarstaaten Saudi-Arabien und Kuwait würden gleichfalls "diktatorisch beherrscht". "Sollen diese Länder Ziel der nächsten demokratiefördernden Kriege sein?"</P><P>"Ich weiß, diese Fragen sind müßig; die Arroganz der Weltmacht gibt Antwort auf jede", fährt Grass fort. Das Herrschaftsgefüge zeige sich jetzt "nackt". "Schamlos stellt es sich dar und gemeingefährlich in seiner Hybris. Der gegenwärtige Präsident der USA gibt dieser Gemeingefährlichkeit Ausdruck."<BR>Grass äußerte Sorge, "ob die Vereinten Nationen standhaft genug sind, dem geballten Machtwillen der Vereinigten Staaten von Amerika zu widerstehen".<BR></P>

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