Wahnsinn und Wandel

- Ganz generös gibt sie sich, die Bayerische Staatsoper. "350 Jahre Oper in München" wird mit den Festspielen gefeiert, doch das Angebot reicht darüber hinaus: von Monteverdis "Il ritorno d'Ulisse in patria" (1640) bis zur Uraufführung von Jörg Widmanns "Das Gesicht im Spiegel" - ergibt eine Differenz von 363 Jahren. Eine breit gefächerte Werkauswahl also, durch die der Wandel der Opernstile in nur vier Wochen erfahrbar wird.

<P>Eröffnet wird das Festival, das heuer unter dem Motto "Gegen.Welten" steht, von einer vermeintlich Fachfremden: CDU-Vorsitzende Angela Merkel spricht heute im Cuvillié´stheater zum Thema "Hat unsere Kultur eine Zukunft?" An den eigentlichen, musikalischen Beginn der Festspiele wurde erstmals eine Barock-Oper platziert: "Rodelinda" in der Inszenierung von David Alden. </P><P>Premiere ist morgen. Und passend zur Ära Peter Jonas ist der Barock besonders stark vertreten. Neben "Rodelinda" werden "Ulisse", "Rinaldo" und "Saul", Spitzenproduktion der bisherigen Saison, gezeigt. Zweite Festspiel-Premiere ist Jörg Widmanns neue Oper, die am 17. Juli im Cuvillié´stheater herausgebracht wird.<BR><BR>Für Fans großer Stimmen hält die Staatsoper ein üppiges Angebot bereit. An der Spitze Edita Gruberova, die zweifach dem Wahnsinn verfällt ("Lucia di Lammermoor" und "I puritani"), dazu Gabriele Schnaut als derzeit konkurrenzlose Elektra, Dorothea Röschmann ("Rodelinda"), Waltraud Meier ("Tannhäuser"), Vesselina Kasarova (Liederabend), David Daniels ("Saul"), Ramon Vargas oder Matti Salminen (beide in "Don Carlo"). Besondere Beachtung verdient das Debüt von Shooting-Star Anna Netrebko. Die russische Sopranistin gastiert in einem Festspiel-Konzert sowie in "La traviata". Überdies gibt es ein Wiedersehen mit Wolfgang Sawallisch, der Strauss' "Vier letzte Lieder" mit René´e Fleming dirigiert.<BR><BR>Liederabende, Kammerkonzerte und Perlen aus dem Repertoire des Staatsballetts runden das Programm ab. Mehr als eine Beilage: die Reihe "Festspiel +". Sie vereinigt scheinbar Widerstreitendes wie das Chorkonzert "One equal music" (30.6.) mit Herbie Hancock (19.7.), den Oud-Spieler Anouar Brahem (24.7.) und Sepp Bierbichler, der am 30.7. bei "Unser Oskar", einer "Sprachoper für Oskar Maria Graf, dabei ist.<BR><BR>Traditionelles Finale der Festspiele: Wagners "Meistersinger" am 31. Juli, letztmals in August Everdings Inszenierung - 2004 wird sie von Thomas Langhoffs neuer Version abgelöst. Und wer für all dies keine Tickets ergattert hat oder wem der Musikgenuss unter freiem Himmel besser gefällt als im prachtvollen Haus, der sollte sich den 13. Juli frei halten: Verdis "Falstaff" mit Zubin Mehta am Pult wird auf den Max-Joseph-Platz übertragen. Gratis, versteht sich.<BR><BR></P>

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