Vom Wahnsinn der Zeit

Garmisch-Partenkirchen - Präsentationen von Zeichnungen von John Lennon gab es in Deutschland bislang erst zweimal: 1970 bei Hans Mayer in Düsseldorf und 1995 mit einer umfassenden Retrospektive in der Kunsthalle Bremen. Derzeit wird eine Auswahl von 150 Zeichnungen des mit Paul McCartney wohl berühmtesten Beatle im Kongresshaus Garmisch-Partenkirchen gezeigt.

Die Arbeiten stammen aus dem Besitz von Yoko Ono und wurden überwiegend in den letzten fünf Jahren vor seiner Ermordung am 8. Dezember 1980 angefertigt. Lennon lebte zurückgezogen im Dakota-Building am Central Park in New York und widmete sich ganz seinem Sohn Sean und seiner Frau Yoko Ono. In dieser Zeit entstanden viele lustige Kinderzeichnungen aus dem Buch "Real Love" - wie die Darstellungen von Pferden, Affen, Fischen, Elefanten, Kamelen, Hunden oder einem Walross, versehen mit fantasievollen Bildunterschriften und Szenen aus dem Familienleben.

Lennon zeichnete mit Feder, Bleistift und Tusche, die Kolorierungen stammen von Yoko Ono. Überrascht wird der Besucher von einer Zeichnung mit dem Titel "Dada Mama". "Dada", von Lennon unter sein Porträt geschrieben, mag sich auf die ersten Versuche seines Sohnes Sean beziehen, seinen Vater anzusprechen. Anderseits eröffnet Lennon mit "Dada" eine interessante Parallele zu der Dada-Bewegung, die während des Ersten Weltkrieges unter anderem von Hans Arp und Hugo Ball in Zürich entwickelt wurde, und gibt damit einen wichtigen Hinweis auf seinen pazifistischen Hintergrund.

Arp: "Wahnsinn und Mord wetteiferten miteinander, als Dada 1916 in Zürich aus dem Urgrund emporstieg." Die Dadaisten verstanden Kunst als das einzige Mittel, die Menschen aus ihrer Apathie aufzuschrecken.

Lennon und Ono knüpften an die Dada-Aktionen an, als sie mit ihrer "Bed-In-Performance" im Hilton-Hotel in Amsterdam für den Frieden und ein Ende des Vietnam-Krieges protestierten. Die Schlagwörter "Love and Peace" tauchen in vielen der in Garmisch-Partenkirchen gezeigten Zeichnungen auf. Ausgestellt ist ein Original-Plakat der Lennon/Ono-Aktion von Weihnachten 1969 mit der Aufschrift "War is over!" Lennon habe dazu gesagt: "Wenn John Ford Autos verkaufen kann, warum können wir nicht den Frieden verkaufen." Arp in "Dadaland": "Während in der Ferne der Donner der Geschütze grollte, sangen, malten, klebten und dichteten wir aus Leibeskräften. Wir suchten eine elementare Kunst, die den Menschen vom Wahnsinn der Zeit heilen, und eine neue Ordnung, die das Gleichgewicht zwischen Himmel und Hölle herstellen sollte."

Bei Lennon steht unter einer Zeichnung mit einer Frau, die auf der Weltkugel sitzt und sich nachdenklich mit dem Ellenbogen auf den Globus stützt: "Imagine all the people \xC2

Living life in peace." Es ist sehr wahrscheinlich, dass erst mit dem Einfluss der New Yorker Fluxus-Künstlerin Yoko Ono möglich wurde, dass John Lennons Leben zu Kunst, das seine Kunst zu Leben wurde.

Die Ausstellung im Olympia-Saal des Kongresshauses, Richard-Strauss-Platz 1, ist noch bis zum 21. August zu sehen: täglich von 11 bis 19 Uhr.

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