700 Grad heißes Aluminium läuft aus: 56 Verletzte

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Wahre Überzeugung

- Die Frau hat offenkundig alle Zeit der Welt. Ohne einen Hauch von Anspannung oder Hast stimmt Joan Baez immer mal wieder die Gitarre und kruscht sich durch Notenblätter. Erstaunlicherweise stört das in der ausverkauften Münchner Philharmonie niemanden. Im Gegenteil, es unterstreicht den Eindruck, an einem außergewöhnlichen Ereignis teilzunehmen. Folk-Legende Baez, auch mit 65 noch von jugendlichem Gemüt, blickt locker und ansteckend jovial auf ihre 45-jährige Karriere zurück.

Damit das nicht als erdenschwere Werkschau auf die Geschichte des politischen Protestsongs missverstanden werden kann, verzichtet Baez bewusst auf große Gesten und gibt sich demonstrativ gelassen. Begleitet von den zwei aufgeräumten Könnern Erik Della Penna und Graham Maby spielt sie Klassiker ihres Repertoires wie "Diamonds and Rust" und eher obskure Stücke wie das wunderschön verschrobene "Lily of the West". Das ist sparsam, aber wirkungsvoll arrangiert und besticht mit dem Mut zum reinen Klang. Selbst wenn die sonst so glockenhelle Stimme von Baez diesmal wegen einer Erkältung ein wenig belegt klingt, geht das Konzept auf.

Die engagierten Texte singt Baez so überzeugt wie vor 40 Jahren. Sie glaubt noch an ihre Botschaft, das muss sie nicht eigens aussprechen - man fühlt es. Dass eine Frau mit Gitarre die Welt nicht verändern kann, weiß Baez: Aufgeben kommt dennoch nicht in Frage, verbittert werden schon gar nicht. Fröhlich beschwört sie die Macht der Liebe und die Vision von einer besseren Gesellschaft. Zynikern ringt so etwas natürlich nur ein hämisches Grinsen ab, aber Joan Baez hat mehr als eine Generation von diesen angeblich realistischen Besserwissern kommen und wieder gehen sehen. Seinerzeit sind sie im Morast von Vietnam und Watergate versunken, heute verschlingt sie der Irak und Guantanamo Bay. Baez singt weiter vom Frieden und trifft damit den Nerv der Menschen. Bei der deutsch interpretierten Zugabe "Sag mir, wo die Blumen sind" stimmt spontan der gesamte Saal in den Refrain ein: "Wann wird man je verstehen?".

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