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Wilfried (1950-2017)

Nachruf auf Wilfried

Der wahre Volks-Rock‘n‘Roller

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Er hat Österreichs Musikszene erschreckt und erobert. Jetzt ist Wilfried im Alter von 67 Jahren gestorben. Unser Nachruf: 

Wilfried. Einfach nur Wilfried. Einem g’scheiten Rock’n’Roller reicht der Vorname zum Berühmtwerden, das hat Elvis bewiesen. Und das hatte sich Ende der Sechziger-, Anfang der Siebzigerjahre auch nach Bad Goisern im Salzkammergut herumgesprochen, wo sich der Wirtshausbub Wilfried Scheutz aufmachte, die österreichische Musikszene zu erschrecken und zu erobern.

Einen Nachnamen brauchte er dafür nicht. Er war und blieb Wilfried – bis zum Schluss, bis zu seinem letzten Album „Gut Lack“, das erst vor vier Wochen erschien, und das der Wiener „Standard“ als „brillantes Alterswerk“ pries. Als letzten Gruß für den an Krebs erkrankten Sänger schrieb der Kritiker „Ad multos annos!“ darunter, auf viele weitere Jahre. Es sollte nicht sein. Jetzt ist Wilfried Scheutz, der unter anderem als einer der ersten Sänger der Ersten Allgemeinen Verunsicherung bekannt wurde, mit 67 Jahren gestorben.

Stubenmusi und Jimi Hendrix? Passt!

Wenn ein selbst ernannter Volks-Rock’n’Roller heute mit E-Gitarren-Landlern Stadien füllt – dann wäre eigentlich jedes Mal ein „Vergelt’s Gott“ an Wilfried fällig, der die wilde Melange erfunden hat. Der Großvater war schuld, ein emsiger Volksmusikant, der im Wirtshaus „Zum Gamsfeld“, das Wilfrieds Mama führte, für die Stubenmusi zuständig war. Dem renitenten Buben, dessen erste Band nicht umsonst „Die Provos“ hieß, gefiel, was er hörte. Aber ihm gefiel auch Jimi Hendrix. Und er fand, dass Stubenmusi und Jimi Hendrix gar nicht schlecht zusammenpassten. Wilfried provozierte – und triumphierte: „Ziwui Ziwui“, die wilde Rockversion einer über 100 Jahre alten Weise über das Leben der Vogelfreien, war 1973 sein Durchbruch. Und weil’s so schön war, jagte er Jahre später eine Punk-Version des „Kufsteinlieds“ hinterher.

1988 gab‘s für „Lisa Mona Lisa“ keine Punkte beim Grand Prix 

Wilfried war nie so populär wie ein Ambros, ein Fendrich, ein Danzer. Und das Etikett vom Austropop hasste er eh wie die Pest. Der Querkopf aus Oberösterreich war nie mittendrin, aber irgendwie immer dabei. Er schrieb Lieder mit dem Danzer, und nahm mit der EAV 1978 das Debütalbum „1. Allgemeine Verunsicherung“ auf, das jahrelang als gesuchte Rarität galt. Mit dem Hit „Highdelbeeren“ erfand Wilfried 1981 eine Art „Neue österreichische Welle“. Beim Grand Prix 1988 holte er mit dem grausigen Schlager „Lisa Mona Lisa“ souverän null Punkte und wurde Letzter – was ihm das Heimatland lange nicht verzieh.

„Was wird?“, das letzte Lied auf seiner letzten Platte, das letzte Lied seines Lebens, ist eine zarte Ballade vom Abschiednehmen, die gewaltig zu Herzen geht. Wilfried, der zuletzt mit Sohn Hanibal als „Neue Band“ auftrat, wird fehlen – nicht nur in der Vereinsmeierei in Pressbaum/Niederösterreich, in der er für ganze Gesellschaften kochte und sang, und die Stubenmusi vom Großvater aufleben ließ.

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