Die Wahrheit hält Gericht

- Friedrich Schillers "Lied von der Glocke" läutet in der Silvesternacht in Weimar das 200. Todesjahr des Dichters ein. Die Staatskapelle Weimar bietet Max Bruchs Vertonung der berühmten Ballade. Das Konzert ist zugleich Auftakt einer Vielzahl von Ehrungen für den deutschen Klassiker. Das Goethe-Institut (München) will beispielsweise im März im Rahmen des Hongkong Arts Festivals alle neun Sinfonien von Beethoven aufführen. Belgrad widmet sich der Rezeption Schillers in den Republiken des ehemaligen Jugoslawien und dem Konflikt der Religionen.

<P>Die Leipziger Buchmesse will unter dem Motto "Leipzig liest Schiller" unter anderem alle Neuerscheinungen präsentieren und ein Schiller-Forum organisieren. Das Schiller-Projekt ist Teil der vom Kulturstaatsministerium initiierten bundesweiten Kampagne zum Schiller-Jahr. Das baden-württembergische Marbach, wo Schiller am 10. November 1759 geboren wurde, dokumentiert Leben und Werk des Dichters in der Sonderschau "Gottespläne und Mäusefalle". Im Neubau der Akademie der Künste am Brandenburger Tor gibt es im März eine 24-Stunden-Schiller-Lesung. Bei der Marathon-Veranstaltung werden Künstler, Entertainer und Politiker wie Bundeskanzler Schröder und Akademiepräsident Muschg aus den Werken des Dichters lesen.<BR><BR>Die Stiftung Weimarer Klassik begibt sich mit der zentralen Sonderschau "Die Wahrheit hält Gericht - Schillers Helden heute" im Schiller-Museum auf aktuelle Spurensuche. Im Januar soll auch Schillers Wohnhaus in Weimar wieder öffnen. Es war bei der Explosion einer Gasflasche Ende November beschädigt worden.<BR><BR>Die Dichterfreunde Goethe und Schiller, Herder und Wieland hatten die kleine Residenzstadt um 1800 zu einem europaweit ausstrahlenden Hort humanistischer Ideen gemacht. Trotz knapper Kassen will Weimar eine große Vielfalt an Angeboten bieten. Der Bund trägt mit 275 000 Euro die Hauptlast.<BR><BR>Wegen fehlender Gelder hatte das Deutsche Nationaltheater in Weimar bereits im Juli eines der wichtigsten Vorhaben abgesagt. Statt einer geplanten Werkschau "Schiller-Laboratorium" mit neun Dramen wird nun ein Workshop mit dem Titel "Spieltrieb" angeboten. Dazu gehören Neuinszenierungen von "Kabale und Liebe", "Die Räuber" und "Maria Stuart". Auch die anderen Thüringer Schillerstädte - Jena, Rudolstadt, Meiningen oder Erfurt - locken mit dem Dichter. In Rudolstadt gibt es einen speziellen Schiller-Spaziergang und öffnet das Schillerhaus. Jena bietet unter dem Motto "Jena SCHILLERt" eine "Mobile Museumsaktion mit dem Zug der Jenaer Geister" mit Abschlusskonzert. Die Universität trägt den Namen Friedrich Schiller.<BR><BR>Der unter chronischem Geldmangel leidende Dichter hatte 1789 eine unbesoldete Philosophieprofessur erhalten. Berühmt ist seine Antrittsrede "Wozu und zu welchem Ende studiert man Universalgeschichte?" In Abwandlung des Titels schrieb die Hochschule zum 200. Todestag ihres Namenspatrons einen bundesweiten Essay-Wettbewerb für Studenten und Doktoranden aus: "Was heißt und zu welchem Ende kann man heute Schiller lesen?" Der Sieger erhält die 180 Bücher umfassende Bibliothek des Deutschen Klassiker Verlages.</P>

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