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Über den Erfolg der „Biene Maja“ ist die Geschichte ihres Autors Waldemar Bonsels (1880-1952) in Vergessenheit geraten.

Der Vater der Biene Maja in Schleißheim

München - Die Biene Maja feiert 100. Geburtstag. Ihren Erfinder, Waldemar Bonsels, kennt kaum jemand. Inspiration fand er angeblich im Schleißheimer Schlosspark. Dort ist bis Herbst eine Schau über Maja und ihren Vater zu sehen.

„In einem unbekannten Land/ vor gar nicht allzu langer Zeit/ war eine Biene sehr bekannt/ von der sprach alles weit und breit!“ Singt Karel Gott sein wohl berühmtestes Lied, werden bei vielen Menschen Kindheitserinnerungen wach: Millionen Mädchen und Buben weltweit verfolgen bis heute die lustigen Abenteuer der Biene Maja im Fernsehen. „Selbst heute noch kennen alle Kinder die Biene Maja, den tollpatschigen Willi und Grashüpfer Flip“, sagt Elisabeth Ziegler, Bürgermeisterin von Oberschleißheim und Leiterin des Arbeitskreises der Ausstellung „Maja – die Biene aus Schleißheim“.

Doch wer kennt schon Majas Erfinder? Die Biene entsprang nicht den Köpfen japanischer Trickfilmzeichner, die sie in den Siebzigerjahren auf der ganzen Welt berühmt machten. Majas Vater hieß Waldemar Bonsels (1880 bis 1952). Im August 1912 veröffentlichte er die Geschichte unter dem Titel „Die Biene Maja und ihre Abenteuer“. 1915 folgte die Fortsetzung „Himmelsvolk“.

Die Idee zu seinem berühmtesten Werk kam Bonsels vermutlich im Schleißheimer Schlosspark, zwischen den Jahren 1910 und 1912 hat er sich öfter in Schleißheim aufgehalten. In unmittelbarer Nähe zum Schloss wohnte er zeitweise in der Villa seines Freundes Bernd Isemann. „Wir wollen den Menschen zeigen, was bei uns im Berglwald entstanden ist“, sagt Ziegler. Deshalb konzipierte die Gemeinde Oberschleißheim zusammen mit dem Literaturhaus München und der Waldemar-Bonsels-Stiftung die Ausstellung „Maja – Die Biene aus Schleißheim“. „Wir beleuchten insbesondere die Entstehungszeit der Biene Maja“, sagt der Kunsthistoriker Falk Bachter, der die Schau kuratierte.

Themen sind neben der Geschichte Schleißheims vor allem Bonsels’ Biografie sowie die Erfolgsgeschichte seines Kinderbuchs. Bis heute wurde es in 40 Sprachen übersetzt und über zwei Millionen Mal verkauft. Für Majas’ Trickfilmkarriere hatte der Kurator indes keine Schautafel mehr übrig.

Die Ausstellung richtet sich dabei nicht nur an Erwachsene, sondern auch an Kinder. Doch besonders die jüngeren Besucher dürften ziemlich enttäuscht sein: Die Maja, die sie kennen, hat kaum etwas mit Bonsels Biene gemeinsam. Willi gab es im Original noch nicht und auch Flip kannte damals niemand. Bonsels’ Maja erkundet die Blumenwiese alleine und erlebt dabei nicht nur lustige Abenteuer. Manche Szenen sind sehr brutal und nicht für Kinder geeignet.

Zumindest ist der überschaubare Ausstellungsraum mit überproportionierten Holzblumen, künstlichem Rollrasen, Pappmaché-Bienen sowie Waben dekoriert. So können sich kleine Besucher ihre Zeit wenigstens auf einer falschen Blumenwiese vertreiben.

Waldemar Bonsels ist trotz des Erfolgs seiner Geschichte beinahe vollständig in Vergessenheit geraten. Zuletzt hat sich jedoch die Literaturwissenschaft wieder verstärkt mit ihm beschäftigt – allerdings weniger wegen seines literarischen Talents, sondern vielmehr wegen seiner politischen Gesinnung in der Zeit des „Dritten Reichs“. Die Waldemar-Bonsels-Stiftung gab unlängst ein Forschungsprojekt in Auftrag, um die Geschichte und das Werk Waldemar Bonsels’ aufzuarbeiten. Das Ergebnis: Bonsels war Antisemit und diente sich dem NS-Regime an. Im kürzlich erschienenen Sammelband „Waldemar Bonsels. Karrierestrategien eines Erfolgsschriftstellers“, herausgegeben vom Münchner Literaturprofessor Sven Hanuschek, ist Bonsels Verhalten während der NS-Herrschaft nachzulesen (wir berichteten).

Ob die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse ein Grund dafür waren, dass die eigentlich für März geplante Ausstellung im Münchner Literaturhaus nicht zustande kam und auf das Jahr 2014 verschoben wurde, sei dahingestellt. Zumindest ein weiteres Forschungsprojekt zieht die erste Untersuchung nach sich: Ein Berliner Biograf soll sich nun Waldemar Bonsels’ Geschichte annehmen.

In der Schleißheimer Ausstellung wird Bonsels’ politische Vergangenheit leider kaum thematisiert. Der Besucher erfährt dagegen einiges über seine zahlreichen Frauengeschichten und seine Besuche in der Schleißheimer Schlosswirtschaft. „Der Bonsels war schon so ein Filou“, sagt Kurator Bachter. Neben einer Scheidungsurkunde und einigen Familienfotos, bietet seine Schau aber durchaus auch interessantere Exponate: etwa die Erstausgabe der „Biene Maja“ sowie die erste Seite des Originalmanuskripts.

Anlässlich des Jubiläums der Biene Maja hätte die Ausstellung durchaus größer ausfallen können. Wem Waldemar Bonsels und sein Kinderbuch bereits bekannt sind, der erfährt hier kaum Neues. Für Interessierte, die einen Ausflug in die Schleißheimer Schlossanlage planen, lohnt sich ein Abstecher dennoch.

Bis 23. September:Di. bis So., 10 bis 18 Uhr; Altes Schloss Schleißheim, Effnerstraße 9.

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