Walzernde Attacke

- In der Operette ist der Leutnant fesch und der Krieg, wenn man ihn wie Johann Strauß junior führt, sogar lustig. Auch wenn seine 1881 im Theater an der Wien uraufgeführte Operette "Der lustige Krieg" in der Theatergeschichte von Bombenerfolgen wie "Fledermaus" oder "Zigeunerbaron" überrollt wurde, blies das Münchner Rundfunkorchester unter der Leitung von Ulf Schirmer im Gasteig zur Attacke.

<P>Das Stück ist verworren: Zwischen Massa-Carrara und Genua ist ein Krieg um eine Primaballerina, die von beiden Fürsten engagiert wurde, entbrannt. Die Tänzerin taucht überhaupt nicht auf, stattdessen eine verwitwete Gräfin, die sich prompt in einen Oberst der gegnerischen Partei verliebt. Dennoch darf wegen der geplanten Hochzeit mit dem Herzog von Limburg der holländische Tulpenzwiebelhändler Balthasar samt seiner Else durchs Stück geistern.<BR><BR>Zur Freude des Publikums versuchten drei Schauspieler - Ulrike Beimpold, Robert Hollmann, Dirk Nocker -, der konzertanten Drei-Stunden-Operette heftig chargierend und zuweilen wirklich komisch auf die Beine zu helfen. Es glückte nicht richtig, konnte aber Strauß' herrlichem, Walzer-getränktem Melodienreigen, den Schirmer und das Orchester mit viel Schwung und Gespür für die feinen Ritardandi servierten, nichts anhaben.<BR><BR>Das umfangreiche Solistenensemble zog mit Eva Mei an der Spitze in die Schlacht (im allzu großen Saal). Mit federleichten, leuchtenden Sopranhöhen und einem wohltuenden ironischen Augenzwinkern eroberte die Mei als Gräfin den feindlichen, etwas steifen Umberto don Fabrice Dalis.<BR><BR>Als Marchese mit Mini-Auftritten, dafür aber dem Walzer-Ohrwurm ("Nur für Natur hegte sie Sympathie"), gab sich Peter Galliard trotz tenoraler Enge siegesgewiss. In den kleineren Partien "fochten" vor allem die beiden jungen Baritone Paul Armin Edelmann und Kay Stiefermann mit ansprechendem Material. Und in den Ensembles punktete der Staatsopernchor.<BR><BR></P>

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