In walzerseliger Wallung

Prinzregententheater: Die Theaterakademie verteidigt mit „Wiener Blut“ die gute alte Operette.

Mit großem Flügelaufgebot und kleiner Besetzung verteidigte die Bayerische Theaterakademie im Prinzregententheater die gute alte Operette: Johann Strauß’ „Wiener Blut“ geriet in walzerselige Wallung, angefacht von sechs Pianisten – drei Damen und zwei Herren, zu denen sich Siegfried Mauser als Primus inter pares gesellte. Im bläulich schimmernden, von Flügeln gesäumten Spiegelzelt (Heinz Balthes) dominierte ein abgestürzter Lüster, in den leeren Orchestergraben führte eine Revuetreppe, die den drei Paaren samt Papa Karussellbesitzer rasche Auf- und Abtritte ermöglichte.

Obwohl die Fassung viele Väter (Arrangeure und Bearbeiter) hat, versprühte die Klavierversion Esprit und Witz, amüsierte schon der Wettstreit im Ouvertüren-Potpourri bis hin zum schrägen Synchronspiel. Die Damen Masha Khotimski, Angelines Rubio, Serena Stella in Abendkleidern mit pompöser Frisur und die Herren Siegfried Mauser, Nakhpetov Mamikon, Sebastian Seel in Frack und Lackschuhen faszinierten im perfekten Zusammenspiel mit reibungslosen „Pässen“. Regisseurin Renate Ackermann spannte sie als Mit-Tänzer ein und nutzte die Instrumente als Sitz- und Räkel-Möbel oder Hietzinger Heurigen-Lauben, zu denen die Klaviere – gezupft – die Untermalung schrammelten, während Handwerksburschen beim Wiener Lied Hämmerchen schwangen.

Das auf 100 Minuten eingedampfte Betrugs- und Verwechslungsspiel spulte sich locker ab, hätte ab und an ein bisschen mehr Tempo vertragen und fand – dank Mausers Who-is-who-Eingriff – ein rasches Ende. Es passt schon, wie auch immer sich die Paare finden. Denn der Graf ist bei Dimitrios Flemotomos ein fescher Charmeur mit tenoralem Biss und flottem Tanzbein, dem die Damen im quietschbunten Tüll (Kostüme: José-Manuel Vázquez) erliegen: Die selbstbewusste Gattin Gabriele (Miriam Clark mit rundem Sopran) wie auch das gerissene G’spusi Franziska (Carolina Ullrich mit Pep in der Stimme) oder die handfeste Probiermamsell Pepi (Brigitte Bayer). Während Giorgos Kanaris als trotteliger Minister allzu wattig tönt, Stefan Mühlbauer als schusseliger Vater durchs Geschehen irrt, rettet Marc Megeles als Kammerdiener Josef seine (Buffo-)Haut. Schade nur, dass wenig Text rüberkommt. Trotzdem stürmischer Beifall.

Weitere Aufführungen

5., 8., 9., 11. November, Tel. 089/ 21 85 28 99.

von Gabriele Luster

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