Walzerspuk

- Mit ihrem zweiten Konzert der neuen Saison konzentrierten sich die Münchner Philharmoniker unter Gastdirigent Michael Gielen im Gasteig ganz auf Mahlers siebte Symphonie, e-moll, in der Literatur eine Rückkehr ins Leben, zur Freude am Werden und Sein genannt. Unter dem Aspekt, dass die Verhandlungen mit Wunschchefdirigent Christian Thielemann hoffentlich bald zu einem Ergebnis führen, könnte dies das Motto für die Zukunft der Philharmoniker sein. Auf jeden Fall spielten sie unter Gielen präzise und differenziert und zeigten viel Konzentration und Einfühlungsvermögen.

<P>Bereits in der Adagio-Einleitung des ersten Satzes zeichneten sich deutlich die wesentlichen Merkmale von Gielens Dirigat ab: Klarheit und Transparenz. Die Verschiedenartigkeit der beiden Themen dieses ersten Satzes entwickelte er wirkungsvoll strukturiert. Im zweiten wie im vierten Satz den beiden Nachtmusiken, die Mahler 1904 noch vor dem Finale der sechsten Symphonie schrieb und dem dritten Satz, dem geisterhaften Scherzo, spielt sich in dieser Symphonie sozusagen das Spannende ab. Der zweite Satz beschwört unter anderem den Geist der "Wunderhorn"-Lieder.</P><P><BR>Sehr schön gelangen hier bereits zu Beginn die Dialoge der Bläser und beispielsweise das Geläut der Herdenglocken, letzteres als Symbolisierung weltferner Einsamkeit. Bizarr der Walzerspuk im Scherzo, wirkungsvoll insbesondere durch die teils knallenden Pizzicati der Celli und Kontrabässe. Amourös der Beginn des apart instrumentierten vierten Satzes, der vor allem mit romantischem Serenadenton betört, in erster Linie dank der Klangfarbenkombination von Mandoline, Gitarre sowie Harfe und Solovioline. Markante Bläserfanfaren, straffe Marschrhythmen und erneutes Kuhglockengeläut beenden im fünften Satz die Symphonie. Gielen gelang es, in den schattierungsreichen Sätzen dieses knapp 80-minütigen Werkes vor allem die hellen Elemente sehr differenziert freizulegen, da er von Anfang an puristisch elegant auf Gesamtklang und organische Einheit bedacht war.</P>

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