Warum erst jetzt? - Gerard Mortier bewirbt sich mit Nike Wagner

Bayreuth - Den Finger hat er zwar gehoben, doch am Ausgang der Wahl wird dies nichts ändern: Kurz vor Toresschluss ist beim Bayreuther Stiftungsrat ein Fax eingegangen.

Absender: Gerard Mortier, der sich nun mit Nike Wagner im Doppelpack um die Festspielleitung bewirbt. Die Nichte Wolfgang Wagners hat damit zwar einen Coup gelandet. Doch eine Frage kann sie nicht beantworten: Warum erst jetzt?

In den vergangenen Tagen hatte Nike Wagner säuerlich nachgekartet und das Favoriten-Duo Katharina Wagner/ Eva Wagner-Pasquier als wenig zukunftsträchtig geschmäht. Tatsächlich enthält das Konzept der beiden nicht gerade Weltbewegendes, setzt auf maßvoll modifizierte Kontinuität. Auf genau das also, warum Wolfgang Wagner sich zum Rücktritt bequemt und was der Stiftungsrat, nicht gerade als experimentierfreudiges Gremium bekannt, für verträglich hält.

Mortier ist zweifellos ein Hochkaräter unter den internationalen Musikmanagern. Zwischen 1981 und 1991 katapultierte er die Brüsseler Oper in die vorderste Reihe der Musentempel, unter ihm schafften überdies die Salzburger Festspiele den Aufbruch in die Nach-Karajan-Ära.

Doch schon mit seinem Amtsantritt bei der Ruhr-Triennale und später an der Pariser Oper wurde eines deutlich: Der Belgier kennt eigentlich nur ein Konzept - die stete Wiederholung der immer gleichen Regisseur-, Dirigenten- und Komponisten-Namen. Viel zu deckungsgleich waren seine Spielpläne für die verschiedenen Institutionen, als dass sich auch für Bayreuth Neues erhoffen ließe.

Zudem ist nicht geklärt, wie sich ein eventuelles Engagement am Grünen Hügel mit Mortiers Chefposten an der New York City Opera (ab 2009) verträgt.

Am Freitag läuft die Bewerbungsfrist ab. Der Stiftungsrat wird wohl am 1. September zusammentreten. Listig hat Nike Wagner die Hand Richtung Cousine ausgestreckt. Eva Wagner-Pasquier sei "herzlich eingeladen", sich an der Bewerbung mit Mortier zu beteiligen. Beim nochmaligen Frontenwechsel dürfte Eva Wagner-Pasquier freilich ein Schicksal ereilen: Für Führungsaufgaben wäre sie dann endgültig diskreditiert.

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