Warum man sich in Norah Jones verlieben muss

München - Zehn Gründe, warum man sich in Norah Jones verlieben muss an diesem Abend, beim Auftakt ihrer Deutschland-Tournee in der Olympiahalle.

Erstens: Die 28-Jährige erscheint im schwarz-weißen Sommerkleidchen, hat eine rote Gitarre umgehängt und sieht ganz und gar nicht aus wie ein Star, dessen erste drei Platten sich über 30 Millionen Mal verkauft haben, sondern so unspektakulär und natürlich wie eine Musik-Studentin im Park. Man sucht den Picknick-Korb.

Zweitens: Sie spielt ganz wunderbar auf dieser roten Gitarre.

Drittens: Sie singt den Eröffnungs-Song "Come Away With Me", als würde sie einem auf dem gemeinsamen Kopfkissen ins Ohr flüstern.

Viertens: Sie spielt im Laufe des Abends auch ganz wunderbar auf einem schwarzen Flügel und einer braunen Orgel.

Fünftens: Ihr luftiger Jazz-Pop, der mal nachtschattig, mal fröhlich hüpfend daherkommt, klingt dank ihrer "Handsome Band" live viel rustikaler als auf Platte. Man meint manchmal, es sei "The Band", die legendäre Dylan-Begleitcombo, die da klopft, zupft, streichelt und zerrt.

Sechstens: Sie beschäftigt einen Gitarristen in Anzug und mit Hornbrille auf der Nase, der sein Gerät malträtiert wie ein Holzfäller.

Siebtens: Norah trinkt Bier. "Wir waren am Sonntag in einem riesigen Biergarten, und ich spür's heute noch", sagt sie. "Wir haben richtig viel getrunken!" Sie ist offenbar nicht nur mandeläugig, brav und freundlich - sie lässt sich auch mal gehen.

Achtens:  Sie spielt Songs einiger der feinsten Liedermacher, die ihre Heimat USA hervorgebracht hat: Townes van Zandt ("auf den sind wir im Biergarten gekommen"), Willie Nelson, Hank Williams und Tom Waits. Der beste Song ist allerdings ihr eigener: das sinistre "Sinkin' Soon".

Neuntens: Sie spart sich die Video-Leinwände links und rechts der Bühne, die vom Bühnengeschehen ablenken. Am Ende, vor der Zugabe "Don't Know Why", schwärmen die Zuschauer von den Sitzplätzen an die Bühne wie Bienen zu ihrer Königin.

Zehntens: Sie weiß, wie man sich verabschiedet. "Danke fürs Kommen", sagt sie. "Und danke fürs Bier." 

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