"Was soll ich mit Stars?"

- Ein zierlicher Körper, ein kluger Kopf: "Ich will von der Wirklichkeit erzählen", sagt Samira Makhmalbaf, "ich will beschreiben, was ich beobachte, will nicht verfälschen. Aber manchmal sind Symbole, ist eine Wendung ins Abstrakte viel realistischer als eine lange Dokumentation." Schnelle Handbewegungen begleiten jedes Wort der Regisseurin. Man kann sie sich gut vorstellen, wie sie am Set die Darsteller dirigiert, sämtlich Laien.

<P>"Was soll ich mit Stars? Wir haben ja viele im Iran. Aber die Menschen, die in meinen Filmen spielen, sind doch so viel besser in ihrer Direktheit und Klarheit." Manchmal ändere sie die ganze Geschichte, um jemanden, den sie traf, in den Film einzubauen. Etwa eine junge Mutter, die in "Panj É Asr" auftritt, ihrem neuen Film, der nach preisgekrönter Cannes-Premiere jetzt von ihr beim Filmfest München vorgestellt wird. </P><P>Drohende Explosion</P><P>"Ich hörte ihre Stimme, und wusste: Das ist ein Teil meines Films." "Panj É Asr" handelt vom Dasein junger Frauen in Afghanistan. Von Befreiung möchte Makhmalbaf auch jetzt nicht sprechen: "Was ist das für eine Freiheit, die mit Bomben gebracht wird? So kann man die dortigen Zustände nicht ändern. Die Taliban sind nach wie vor da, in den Köpfen, im täglichen Leben. Es ist im letzten Jahr besser geworden, es gibt ein bisschen mehr Freiheit, Frauen dürfen wieder zur Schule, wenn auch nur mit Burka."  Makhmalbaf  weiß, wie es ist, die von strengen Islamisten vorgeschriebene Totalverschleierung zu tragen: "Man kann kaum atmen, es ist heiß, man sieht nur wenig."</P><P>Die 23-Jährige ist im Iran der Ayatollahs aufgewachsen, noch unter recht privilegierten Verhältnissen als Tochter des Regisseurs Mohsen Makhmalbaf. Die Künstlerin hat schon drei Filme voller Reife und Humor gedreht, die in München gezeigt wurden: "Der Apfel" mit 17 Jahren war ihr Debüt, bereits ihr zweiter Film, "Die schwarze Tafel", lief in Cannes. Zuletzt steuerte sie eine der besten Episoden zum Kompilationsfilm "11'09'01 September 11" bei. In Afghanistan hat sie aber nicht wegen des jüngsten Krieges gedreht oder aus Sensationsgier: "Das Land gehörte lange zum Iran, wir sprechen die gleiche Sprache, haben die gleiche Kultur, viele Flüchtlinge von dort leben im Iran. Und es war einfacher, diesen Film in der gegenwärtigen Situation in Afghanistan zu machen. Aber ich wollte das Land nicht nur benutzen, obwohl es natürlich auch eine Geschichte aus dem Iran und einigen anderen islamischen Ländern ist."</P><P>Die Hoffnung bei Amtsantritt von Präsident Khatami sei im Iran verflogen: "60 Prozent der iranischen Bevölkerung sind jünger, als ich. Sie haben andere Träume, sie wollen Wechsel, Bewegung, Demokratie, Glück. Aber die Alten herrschen. Und so entsteht Wut." Diese Situation dokumentieren Makhmalbafs Filme: Eine Welt zwischen Hoffnungslosigkeit und drohender Explosion, voll dunkler Schönheit.</P><P>"Panj É Asr" läuft noch einmal im Sendlinger Tor Kino morgen um 17 Uhr.<BR></P>

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