Bluttat in Unterföhring: Polizistin wird wohl nicht mehr aufwachen

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Wasserwesen an Land gezogen

- Albert Lortzing legte sich die Latte hoch, als er 1844 nach Baron de la Motte Fouqués Nixe "Undine" haschte. Nach seinen komischen Opern -­ darunter "Zar und Zimmermann", "Der Wildschütz" -­ sollte es eine romantische Zauberoper werden. Mit diesem Anspruch stieg er nach E.T.A. Hoffmann und vor manchem anderen Komponisten-Kollegen in die Wasserwelt, deren Klangprodukt er später für eines seiner besten hielt.

Das Münchner Gärtnerplatztheater fischte jetzt die "Undine" aus dem großen Opernbecken und bewies bei der sonntäglichen Premiere, dass man das seelenlose Wasserwesen nur richtig packen muss, um seine schillernde Schönheit betrachten zu können.

Andreas Kowalewitz fächerte geschickt die Partitur auf, zeigte, dass der Spielopern-Komponist ­ sich treu bleibend ­ hier doch auch neue Töne anschlägt: Feine Holzbläser-Mischungen waren da zu hören, markantes Blech und vor allem großformatige, dramatisch gesteigerte, dichte Ensembles, die auch Solisten und Chor ordentlich herausforderten. Ebenso wie die wiederholten A-cappella-Einsätze, die gleichfalls bewiesen, dass musikalisch auf allen Ebenen höchst solide Vorarbeit geleistet worden ist.

Das Resultat hätte sich für eine konzertante Aufführung angeboten, doch am Gärtnerplatz wollte man mehr, nämlich die Radio- oder Platten-Bekanntschaft auch mal leibhaftig zeigen. Die nächste Herausforderung ­ der sich nun Claudia Doderer als Regisseurin, Bühnen- und Kostümbildnerin beherzt stellte.

Sie verstieg sich nicht in psychologische Tiefen, sondern klappte ein modern stilisiertes Bilderbuch auf, in dem die um 1450 angesiedelte Geschichte in klaren, bunten Bildern erzählt wurde. Nicht drei Stunden und länger, sondern in gestrafften zweieinhalb, wobei auch die Dialoge geopfert wurden. Das förderte die musikalische Stringenz und gab der Aufführung etwas Kompaktes.

Vor farbintensiven Rückprospekten ­ Wassergrün und bei Bedarf durchscheinend, mit terrakottafarbener Burg oder mit spitzbogig angedeutetem Kreuzgang ­ gestattete Doderer nur wenige Versatzstücke: ein wunderschönes, strenges Alu-Schilf-Gestänge als Rückzugsort für die Nixe, ein goldenes Dach als Fischerhütte, kleine hölzerne Elemente aus dem Burg-Baukasten samt großer Wendeltreppe, grasgrüne Tannen-Pyramiden.

In diesem Minimal-Ambiente agierten die in hübsch stilisierte Ritter- und Fräulein-Kostüme gewandeten Sänger durchwegs erfreulich und stets textverständlich. Sandra Moons zart-lyrischer Sopran passte vorzüglich zur Undine, die im zweiten Akt mit seelenvollem Ton von der Seelenlosigkeit der Wasserwesen erzählte. Als ihr Vater Kühleborn imponierte Richard Salter, der mit zwar rauem, aber markantem Bariton zunehmend Dramatik ins Spiel brachte und die Überlegenheit des Wassergeistes sicht- und spürbar machte.

Mit Cornelia Horaks Herzogin Bertalda hielt ein kühles, ehrgeiziges, mit höchsten, perfekt getroffenen Königinnen-Tönen einschüchterndes Fräulein Hof. Da wurde Wolfgang Schwaningers etwas steifer Ritter Hugo schwach und schlug als ungetreuer Gatte fast schon heldische Töne an. Florian Simson als Knappe Veit behauptete sich mit naivem Charme und geradem Tenor und sorgte mit Freund Hans (Jörg Simon) fürs Komische.

Dass der topfit klingende Chor in den ersten beiden Akten von Regisseurin Claudia Doderer zu hüpfendem Tanderadei animiert wurde, verzieh man zuletzt. Denn dank ihrer ansonsten schnörkellosen Inszenierung wird "Undine" wohl einige Zeit an Land verbringen können.

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