+
"Der ,Watzmann`ist ein Teil meines Lebens", sagt Wolfgang Ambros. Doch nach bald einem halben Jahrhundert soll nun Schluss sein mit dem legendären Alpenrock-Musical.

Vorbericht

"Watzmann"-Musical auf Tour: Wolfgang Ambros und der Berg

  • schließen

Der Berg holt sich den Bua, seit bald einem halben Jahrhundert immer wieder. Koa Einsehen nit. Oder doch? Das legendäre „Watzmann“-Musical geht auf Abschiedstournee, mit Ambros, Prokopetz, Eberhartinger. Wahnsinn und Wehmut – denn für Ambros dürfte es das Finale sein.

Die Kutsche zuckelt gemächlich übers Wiener Kopfsteinpflaster, doch Joesi Prokopetz ist voll in Fahrt. „Der Theseus-Tempel“, ruft er und zeigt rüber, mit Wolfgang Ambros habe er dort einst gespielt. „Da kannte uns kein Schwein! Und ich bin danach mit dem Hut rumgegangen.“ 20 Schilling warf einer rein, er weiß es noch heute. Der Fiaker rumpelt weiter, am Café Griensteidl vorbei, beim Sisi-Museum durch die Hofburg, zur Albertina. Mit ausholenden Gesten zeigt Prokopetz an einem sonnigen Vorfrühlingstag sein Wien, und zwischendrin jene Orte, die einen Schicksalsberg gebaren.

Eine Fiaker-Fahrt mit Prokopetz, dem Komponisten des legendären „Watzmann“-Musicals, dieses wunderbar sinnfreien Gipfelklamauks: Mit Schal und Sonnenbrille steuert der Österreicher durch seine Vergangenheit. An der Malerstraße geht’s vorbei, nahe an einer unscheinbaren Wohnung. Da wurde der „Watzmann“ Anfang der Siebzigerjahre das erste Mal zusammen mit Ambros aufgenommen, erzählt Prokopetz, „in Kurzfassung auf einem alten Uher-Gerät“. Acht Minuten nur, eine Persiflage in der Zeit der Luis-Trenker-Filme. „Wo des alles auf die Schaufel genommen is’“, sagt er. Die Kurzfassung kann keiner so gut erzählen wie er: „Bua will an Berg – Bauer erlaubt es nicht – Bua geht trotzdem – Bauer wird wahnsinnig.“

Aus den acht Minuten wurde ein abendfüllendes Alpenrock-Musical, dessen Liedtexte eine Generation mitsprechen kann. Arg schwer sind sie ja nicht, aber einprägsam: „... und zermalm’/ auf der Alm/ einen Halm“. Seit Jahrzehnten touren Prokopetz und Ambros mit den Schenkelklopfern. Jetzt zur Abschiedstournee, das klingt erschreckend endgültig.

Die Texter, Komponisten, Darsteller sind gealtert. „Ich krieg meine Gage in Medikamenten“, witzelt einer aus dem Ensemble. Das wäre Schmäh bei Prokopetz, 64. Anders aber bei Ambros, eine Woche jünger, und doch vom exzessiven Künstlerleben und einem Sturz schwer gezeichnet. Wer ihn in den vergangenen Monaten bei Auftritten erlebte, sah einen ganz Großen, wie er sich unter Schmerzen und Alkohol abmüht. „Die Bühne ist mein Leben. Was soll ich tun?“, sagte er neulich.

Auch durch den Watzmann quält er sich, an guten Tagen erfolgreich und umjubelt. Tourneestart und gleichzeitig Abschiedskonzert in Wien, in der Stadthalle stehen sie auf für Ambros, jubeln und tragen ihn von Stück zu Stück. Hinter der Bühne, in seiner Garderobe, erlebt man einen Mann, der sagt: „I bin froh, wann’s aus is.“ Der „Watzmann“, sagt Ambros, „ist ein Teil meines Lebens. Aber ich hab’s mir ausgerechnet: Tausend Mal habe ich gesagt: ,Hoch droben‘“, und dann rezitiert er die Eingangsworte seiner Erzähler-Rolle im Musical. „Glauben’s, des kann ganz schön viel werden.“ An der Wand seiner Garderobe hängt die Lederhose, daneben lehnt der Gehstock.

Sie raffen sich jetzt auf für die letzte Tournee, mit Prokopetz’ wunderbarem Schmäh, Ambros’ Schmerz und ihrer tiefen Freundschaft voll Frotzelei und Fürsorge. Ein irres Ensemble haben sie zusammengestellt: Prokopetz gibt in Doppelrolle Knecht und Vater. Klaus Eberhartinger (65) ist wieder dabei, der Leadsänger der Ersten Allgemeinen Verunsicherung, in der Rolle der alles verführenden Gailtalerin. Manchmal packt ihn auf der Bühne ein Lachanfall, dann wird improvisiert. Christoph Fälbl als Bua erklimmt den Schicksalsberg („und fallt/ und fallt/ in den Spalt“). Er ist der Neuling auf der Bühne, weil ja erst seit 25 Jahren im „Watzmann“-Team.

Der Schicksalsberg ruft nach seinen Opfern. „Wann die Zeit kommt, nachad holt er di.“ Schlussapplaus in Wien, Ambros kann sich vor Schmerz kaum verbeugen. „Gott schütze euch“, sagt er und humpelt nach draußen.

„Der Watzmann ruft“

macht etwa in Landshut (27. Juli), München (Circus Krone, 31. Oktober), Ingolstadt (4. November) und Rosenheim (Stadthalle, 3. Dezember) Station. Karten an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie telefonisch unter 01806/ 57 00 99.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wer wird Jesus in Oberammergau?
Wer steht in zwei Jahren als Jesus auf der Bühne in Oberammergau? Am Samstag gibt Spielleiter Christian Stückl die Besetzung des Passionsspiels 2020 bekannt. 
Wer wird Jesus in Oberammergau?
Süße-Gurken-Zeit
Bis 21. Oktober werden auf der Messe Highlights in der Münchner Residenz Kunstschätze zum Verkauf angeboten.
Süße-Gurken-Zeit
„Dalibor in Augsburg“: Rebellion im Gegenlicht
Kaum einer hatte dieses effektvolle Stück auf dem Radar. Das Staatstheater Augsburg holt Smetanas „Dalibor“ aus dem Archivkeller - mit großem Erfolg 
„Dalibor in Augsburg“: Rebellion im Gegenlicht
Daniele Rustioni: Von Lyon aus zur Weltkarriere
Mit Boitos „Mefistofele“ startete Daniele Rustioni in seine zweite Saison an der Opéra de Lyon - ein bestechendes Dirigat dieses großen Hoffnungsträgers
Daniele Rustioni: Von Lyon aus zur Weltkarriere

Kommentare