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Liebe ist – wie immer – ein großes Thema bei den Festspielen in Cannes. Das offizielle Plakat zeigt ein Foto aus dem Jahr 1963, auf dem Paul Newman seine Kollegin Joanne Woodward küsst.

Filmfestival in Cannes startet

Webfehler im roten Teppich

Cannes - Das Filmfestival in Cannes startet am Mittwoch mit dem "Großen Gatsby". Einziger Schönheitsfehler: Das berühmte Festival scheint kein Recht mehr auf Exklusivität zu haben - der Streifen ist längst in vielen Ländern in den Kinos angelaufen.

Der stolze Festival-Pfau Cannes muss Federn lassen. Wenn am Mittwoch zum Auftakt der 66. Filmfestspiele mit „Der große Gatsby“ von Baz Luhrmann ein cineastisches Feuerwerk gezündet werden soll, dann läuft das Remake der Verfilmung nach dem Roman von F. Scott Fitzgerald nicht nur in dessen US-Heimat bereits im Kino. Auch in Indien, Kanada oder Vietnam ist Leonardo DiCaprio als Lebemann längst auf der Leinwand zu sehen. Nicht nur auf das Recht der ersten Nacht muss das weltweit wichtigste Filmfest bei der Eröffnung verzichten, seine Enfants terribles schwänzen gleich ganz. Pedro Almodóvar startete mit seinem schrillen Flugzeug-Drama „Fliegende Liebende“ lieber vorab in Istanbul, derweil der Däne Lars von Trier mit seinem in Köln gedrehten Sex-Stück „Nymphomaniac“ offiziell „nicht fertig“ sein will.

Fast traditionell fehlt das deutsche Kino unter den Palmen, diesmal völlig zu Recht, weil es gar keine potenziellen Kandidaten gäbe – kaum ein Ruhmesblatt für die hiesige Branche, deren Fördersystem mit millionenschweren Subventionen nur ganz kleine Kinowerke gelingt. Diverse Webfehler im roten Teppich kann Cannes gleichwohl gelassen nehmen, das cineastische Füllhorn ist hier immer gut gefüllt, dafür sorgen schon die Stammgäste. Die Coen-Brüder etwa waren bereits acht Mal an der Croisette, Jim Jarmusch bringt es auf sechs Besuche und Steven Soderbergh war schon vierfach vertreten – und wird hier seine Karriere beenden, wo sie Anno 1989 mit „Sex, Lügen und Video“ und einer Goldenen Palme begann. Nach 29 Filmen hat der 50-jährige Regisseur genug. Sein letztes Werk, „Behind the Candelabra“, die Liebesgeschichte des schwulen Pianisten Liberace, wollte trotz Starbesetzung mit Michael Douglas und Matt Damon kein Studio finanzieren und konnte nur mit dem ambitionierten TV-Sender HBO gestemmt werden. Schon allein deshalb gilt dieser letzte Soderbergh-Streich vorab als großer Gold-Favorit.

Der hochkarätigen Jury, zu der unter anderen Nicole Kidman, Christoph Waltz, Ang Lee und als Präsident Steven Spielberg gehören, blüht freilich eine ziemliche Qual der Wahl unter den 19 Wettbewerbsbeiträgen. Der Berlinale-Sieger Asghar Farhadi setzt nach dem gefeierten „Nader und Simin“ weiter auf Scheidung und lässt in „The Past“ einen iranischen Ehemann seine französische Familie verlassen. François Ozon gibt sich poetisch und porträtiert in „Jeune et jolie“ das 17-jährige Model Marine Vacth. Eine junge Frau steht auch bei Abdellatif Kechiche im Zentrum, der in „La vie d’Adele“ eine lesbische Liebe präsentiert. Roman Polanski bringt derweil eine weitere Verfilmung des erotischen Romanklassikers „Venus im Pelz“ von Leopold von Sacher-Masoch auf die Leinwand. Beziehungsgeflechte in allen Facetten dominieren das diesjährige Programm. Im Tschad muss ein junger Mann seine Träume opfern, um den schwerkranken Onkel zu retten. In Mexiko bringt die Romanze der Tochter mit einem Polizisten die Familie in Gefahr. In Japan stellt ein Ehepaar fest, dass ihr Kind bei der Geburt vertauscht wurde. Wie üblich bleibt auch der melancholische Kino-Liebesbote Jim Jarmusch seinem Thema treu: In „Only Lovers Left Alive“ lässt er den deprimierten Underground-Musiker Adam nach langer Trennung seine geheimnisvolle Geliebte Eva wiederfinden.

Als knallharter Kontrast zu dem ganzen Liebesreigen fehlt auch diesmal die beliebte Rache in allerlei Variationen nicht. Sei es die Killer-Geschichte „Shield of Straw“ aus Japan, der Cop-Thriller „Zulu“ aus Südafrika, das Drogendrama „Only God Forgives“ des dänischen Wunderkinds Nicolas Winding Refn oder der gute alte „Michael Kohlhaas“, in dem diesmal Mads Mikkelsen den Pferdehändler gibt, der zur Selbstjustiz greift. Mit Heinrich von Kleist ist Deutschland dann doch in Cannes vertreten – zudem mit einem Berliner Koproduzenten.

An Stars herrscht wie üblich kein Mangel. Auf der Glamour-Liste stehen unter anderen Robert Redford, Leonardo DiCaprio, Justin Timberlake, Emma Watson, Marion Cotillard, Charlotte Rampling, Matt Damon, Michael Douglas, Ryan Gosling und Kristin Scott Thomas. Selbst Legenden wie Kim Novak und Jerry Lewis haben sich angekündigt. Da kann der Festival-Pfau dann doch noch mit schillerndem Rad unter Palmen stolzieren.

Von Dieter Osswald

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