Wie ein Wechsel vom alten Volkswagen zum neuen Porsche

Die Norweger haben am Wochenende ihre neue Nationaloper in Oslo mit König Harald V., Bundeskanzlerin Angela Merkel und der dänischen Königin Margrethe II. als Ehrengästen eingeweiht.

Nach dem umjubelten Galaabend am Samstag vor 1400 Zuschauern und vor dem abschließenden Feuerwerk  über  dem Oslofjord direkt vor dem Neubau sagte die Sopranistin Solveig Kringlebotten über ihren künftigen Arbeitsplatz: "Wir wechseln von einem alten Volkswagen zu einem neuen Porsche."

Oper und das Nationalballett waren bisher in einem umgebauten Kino untergebracht. Das futuristische neue Gebäude für umgerechnet knapp 500 Millionen Euro geht auf einen Entwurf des heimischen Architektenbüros Snhetta ("Schneekappe") zurück. Es hat auch die weltberühmte ägyptische Nationalbibliothek in Alexandria gebaut. Die mehr als 100 Innenräume der Osloer Oper mit drei Bühnensälen auf einer Gesamtfläche von 38 500 Quadratmetern sind von einer Fassade aus weißem italienischem Carrara-Marmor umgeben. Das Aussehen der zum Wasser hin immer flacher wirkenden Oper soll an einen Gletscher, Schnee und Eisberge aus dem hohen Norden erinnern.

Während die architektonischen Grundlinien und die Akustik von der Fachwelt einhellig Lob ernteten, war der massive Einsatz des italienischen Marmors auch während der fünfjährigen Bauzeit in Norwegen stets heftig umstritten. Zahlreiche der insgesamt 36 000 Marmorplatten hatten sich schon vor der Eröffnung leicht gelblich verfärbt. Als möglicher Grund wird das feucht-kalte nordeuropäische Klima genannt. König Harald sagte bei der Eröffnung vor 1200 geladenen Ehrengästen und 200 "Normalbürgern": "Diese Oper wird für uns ein neues nationales Symbol." Der Bau sei "wie ein monumentales Denkmal  am  Ende des  Oslofjordes, voller architektonischer Schönheit im Inneren und von außen". Merkel meinte über ihren ersten Eindruck: "Ich gratuliere Norwegen zum neuen Opernhaus. Das ist ein architektonischer Glanzpunkt in der Geschichte der Architektur Europas."

Bei aller Begeisterung über den gelungenen Neubau steht die neue Oper in dem durch Nordsee-Öl und -Gas reich gewordenen Land vor beachtlichen Anlaufproblemen. Die 600 Beschäftigten haben deutliche Einkommenserhöhungen verlangt und wollen bei Nichterfüllung in vier Wochen streiken.

Vor der feierlichen Einweihung musste die als Premieren-Knüller geplante Oper "In 80 Tagen um die Welt" des norwegischen Komponisten Gisle Kverndokk um mehrere Monate verschoben werden. Die hochmoderne und hochkomplizierte Bühnentechnik ließ sich nicht rechtzeitig installieren.

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