Der Wechsel hält einen wach

- Sie freut sich ganz offensichtlich, wieder in München, an den vertrauten Orten zu sein. Bis 1993 gehörte Sona MacDonald, 1961 in Wien geboren, in den USA aufgewachsen, dem Staatsschauspiel an. Dann zog sie, die schon ihre Ausbildung in London, Wien und den USA genossen hatte, weiter. Lebte und arbeitete unter anderem in Berlin und Wien. Morgen hat sie in München mit "Freunde zum Essen", einer Produktion des Berliner Renaissance-Theaters, in der Komödie im Bayerischen Hof Premiere (bis 22.10., Karten: 089/29 16 16 33). Die Komödie von Donald Margulies inszenierte Dietmar Pflegerl.

Wo liegt eigentlich Ihr Lebensmittelpunkt?

MacDonald: Inzwischen in Wien. Es ist eben doch meine halbe Heimat. Aber ich liebe den permanenten Stadtwechsel zwischen Wien und Berlin, er hält wach. Und in München hatte ich diese wunderbare Residenztheaterzeit.

Und was verbindet Sie heute mit München?

MacDonald: Freunde, Geschichte. Die Fernseh-Produktionen mit Helmut Ringelmann. Gerne würde ich wieder etwas mit ihm machen. Vielleicht hört er mich an dieser Stelle . . . Er hat uns Schauspieler damals wie ein Ensemble behandelt.

Ähnlich zahlreich wie Ihre Wohn- und Wirkungsorte sind die Genres, in denen Sie arbeiten: Schauspiel, Film, Fernsehen, Musical, musikalische Abende. Wo fühlen Sie sich am meisten zu Hause?

MacDonald: Wenn ich singen kann. Dann überkommt mich etwas, was mich trägt. Meine Theaterrollen haben das Singen gestärkt, das wiederum beflügelt mich. Auch in dieser Inszenierung fühle ich mich sehr zu Hause. Wir haben seit der Premiere 2002 viel voneinander gelernt. So ganz unmittelbar und wahrhaftig zu sein. Das ist das Allerschwerste. In rund 300 Aufführungen ist das Stück Teil unseres Lebens geworden.

Was hat sich denn verändert in all der Zeit?

MacDonald: Unser Bewusstsein ist gewachsen, indem wir mehr erlebt haben. Und was wir jetzt merken: Die Inszenierung ist so gut gearbeitet! Ist alles andere als Routine.

Was ist denn das Interessante an diesem Stück?

MacDonald: Das Thema ist, wie wir uns selbst in intimsten Freundschaften verstellen. Meine Figur ist eine Außenseiterin, eine Künstlerin, die in die reiche, amerikanische Anwaltswelt gerät. Und die Trennung von ihrem Mann erlebt. Es gefällt mir, diesen Bogen zu spielen.

Sie sind seit zehn Jahren freischaffend. Worauf achten Sie bei einem Rollenangebot?

MacDonald: Es kommt darauf an, wer etwas macht. Und ich hatte bisher Glück mit den Konstellationen. Freute mich über die Herausforderungen, die sich ergaben. Ich blühe besonders auf in gemeinsamem Denken.

Haben Sie trotzdem Sehnsucht nach einem festen Ensemble?

MacDonald: Bei meinen vielen Genres wäre das nicht leicht zu koordinieren. Und Ensembles werden ja auch seltener. Glücksfälle sind Häuser wie das Residenztheater, die Kammerspiele oder das Burgtheater.

Sie haben in England eine breite Ausbildung in Schauspiel, Gesang und Tanz genossen. Ist das grundsätzlich besser?

MacDonald: Für mich war es besser. Leider ist das Musical zur Massenware verkommen. Aber mit Kurt Weills "Dreigroschenoper" konnte ich mich profilieren. Das ist eine große Liebe. Worauf ich mich sehr freue, ist "Mythos Marlene" in Stuttgart. Dann kommt ein Feydeau in Wien, eine Produktion in Klagenfurt . . . Sie sehen, das Jahr ist voll!

Das Gespräch führte Christine Diller

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