Wechselvolles Mozartjahr geht zu Ende

- Wien/Salzburg - Er gilt als das größte Genie der Musikgeschichte, und der 250. Geburtstag von Wolfgang Amadeus Mozart sollte daher entsprechend gefeiert werden. In Salzburg und Wien, Mannheim und Augsburg bemühte man sich ein ganzes Jahr lang um Feststimmung.

In den Tempeln der Hochkultur war so viel Mozart zu hören wie nie, und vor allem Wien setzte auf direkte Begegnungen im Alltagsleben. Während in Österreich kaum jemand am Mozartjahr vorbei kam, hatte es "Wolferl" in Deutschland schwerer: Hier musste das Musikgenie gegen die Fußball-WM und den Papstbesuch antreten.

Selbst in der großen Aufregung um die abgesetzte "Idomeneo"- Inszenierung von Hans Neuenfels in Berlin, die als Wiederaufnahme auf das Mozartjahr verweisen sollte, geriet der Anlass in den Hintergrund. Nicht Mozart selbst und seine Musik wurden zum Tagesgespräch, sondern die kulturpolitische Debatte um die Freiheit der Kunst.

Dennoch hat das Mozartjahr in Deutschland Spuren hinterlassen: In Augsburg, der Geburtsstadt von Wolfgangs Vater Leopold, dokumentiert das renovierte "Mozarthaus" den familiär-musikalischen Hintergrund der Familie. Mozart-Wanderwege führen an Wirkungsstätten des reisenden Künstlers. Und den Radiohörern in Bayern brachte Klaus Maria Brandauer mit täglichen Ausschnitten aus Mozarts Briefen den Alltag des Künstlers näher.

In Österreich war die musikalische Frohbotschaft insgesamt deutlicher zu vernehmen. In Wien reihte sich Festival an Festival mit Uraufführungen und Neuinterpretationen. Da gab es das schräge Musical "Die Weberischen" über die Familie seiner Frau Constanze oder die witzig-ironische Oper "I hate Mozart". Vom großen Geburtstagsfest im Januar über die Wiener Festwochen und das Festival "New Crowned Hope", bei dem Peter Sellars Uraufführungen und Auftragswerke aus Film, Oper und Musik präsentierte, bis hin zum nächtlichen Requiem im Stephansdom zur Todesstunde am 5. Dezember war Mozart auf Plakaten und Programmzetteln unbestrittener Jahresregent.

"Es wurden Akzente gesetzt, die nachwirken werden", meint der Musikwissenschaftler Gernot Gruber und verweist vor allem auf die Neubewertung des Frühwerks. In Salzburg hält man sich zugute, auf der Bühne erstmals "den ganzen Mozart" mit 22 Bühnenwerken präsentiert zu haben. Eine neue, tief skeptische und düstere Sicht auf Mozarts Werk öffnete Nikolaus Harnoncourt mit den Regisseuren Claus Guth und Martin Kusej mit richtungweisenden Inszenierungen der bekannten "Mozart-Hits", etwa "Figaros Hochzeit" oder "Don Giovanni".

Auf wissenschaftlicher Ebene bemühten sich Symposien über neue Erkenntnisse etwa zur Bedeutung von Musik in medizinischen Heilungsprozessen und würdigten das Werk von unbekannten Komponistinnen aus Mozarts Zeit neu. Selbst ironische Kampagnen wie die Strategie der Steiermark, sich zur "No Mozart Zone" auszurufen, verwiesen indirekt wieder auf das kulturelle Jahresthema.

Auch das Wiener Konzept mit Aktivitäten im Stadtraum, die Besucher und Einheimische immer wieder unvermutet auf Mozart stoßen ließen, hat Grubers Ansicht nach vieles bewirkt: "Es gibt keinen a-musischen Menschen. Mit sinnlichen Begegnungen kann man leichter Zugänge schaffen, das wurde versucht - und mit Erfolg, wie ich glaube." So gab es Mittagskonzerte auf öffentlichen Plätzen, rote Telefon-Säulen riefen dazu auf, den Bezug Mozarts zu einem bestimmten Ort kennen zu lernen oder ein "Mozartmobil" animierte Kinder auf Spielplätzen, ein Instrument auszuprobieren.

Am Spielplatz jedenfalls war sie zu spüren, die angestrebte Sinnlichkeit, mit der Mozartjahr-Intendant Peter Marboe den Grundstein für weiteres Interesse an Mozart und generell der Musik legen wollte. Da sprach ein Mädchen, das erstmals eine Geige ausprobieren durfte, ganz entzückt von diesem "Streichelinstrument".

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