Wegen Überfüllung geschlossen

Bruno Jonas in der Katholischen Akademie: - Am Anfang seiner kabarettistischen Karriere stand ein Verfahren wegen "Religionsbeschimpfung" (das allerdings bald eingestellt wurde). Damals, Mitte der Siebzigerjahre, konnten die Katholiken -­ jedenfalls die aus Passau und Umgebung ­- nicht lachen über Bruno Jonas. Das hat sich inzwischen radikal geändert. Seinem ­- vor wenigen Tagen überraschend emeritierten -­ Fastenprediger Bruder Barnabas lag in den vergangenen Jahren das mehr oder weniger fromme Publikum auf dem Nockherberg feixend zu Füßen.

Und sogar die ehrwürdige Katholische Akademie in München muss wegen Überfüllung geschlossen werden, wenn der 54-Jährige dort spricht.

Spricht, nicht spielt. Sein aktuelles Programm war nicht angekündigt für diesen Abend, sondern ein Vortrag mit dem Titel "Humor und Glaube". Doch Jonas wäre nicht Jonas, wenn er nicht auch eine solche "Predigt" kabarettistisch aufzöge. Und er tat das mit einer raffinierten Melange aus viel konkreter Erfahrung und viel Wissen über die Bibel einerseits und über Denker von Kant bis Kierkegaard andererseits. Alles schön plastisch erklärt. Da wird (frei nach Hegel) der Humor zur Brennstufe einer Trägerrakete auf dem Weg ins absolute Bewusstsein.

Die Kindheit im erzkatholischen Niederbayern hat ihn geprägt, und so hatte der Ex-Ministrant seine Rede mit einer kurzen Zeitreise in die Vergangenheit begonnen, in ein Milieu, in dem "Humor keine Rolle spielte". Da half wohl nur die Distanzierung ("Ich trete zurück, um etwas betrachten zu können") als Voraussetzung, etwas komisch zu finden. So hält es der Spötter bis heute, und so legte er es auch seinem Auditorium nahe. Auch im Christentum als einer "Religion des Leidens" sei Lachen erlaubt, verschaffe es dem Gläubigen doch "seelische Erleichterung".

Das Lachen, auch über sich selbst, empfahl der Katholik und leidenschaftliche Philosoph diabolisch grinsend nicht nur den islamischen Fundamentalisten, sondern auch den Bischöfen von Köln und Regensburg. Selbst Johannes XXIII. habe einst gesagt: "Giuseppe, nimm dich nicht so wichtig!" Für einen, der per definitionem als unfehlbar gelte, verrate dies schon eine Menge Humor. Ob es nun am Sujet lag oder an der Formulierungskunst des Referenten -­ das Publikum setzte seine Empfehlungen gleich in die Tat um. Und lachte.

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