Kunstraum: Im Wegwerf-Glück

München - Der Münchner Kunstraum feiert seinen 40. Geburtstag mit Satirischem und einer Jahresgaben-Schau.

Wie sang schon Lale Andersen: „Ein Schiff wird kommen...“ Und zumindest im Münchner Kunstraum hat sich diese Prophezeiung jetzt erfüllt. Denn dort steht ein Riesenmodell des bekannten Kreuzfahrtdampfers „Aida“ herum, mit der typischen Bug-Bemalung aus rotem Mund und seitlichen Augen.

Das Werk des Künstlerduos „Mahlergruppe“ (das seine Namen nicht verrät) ist eine absichtlich plumpe Bastelei: Weiße Wellplastik-Platten aus dem Baumarkt haben die beiden ehemaligen Absolventen der Münchner Akademie zu einem Dampfer-förmigen Kasten mit Kamin oben drauf zusammengetackert. Und wenn man das Ding an die Steckdose anschließt, fängt in seinem Inneren auch noch ein Staubsauger an zu lärmen.

Ist er also bloß eine billige Plastik-Attrappe des echten Glücks, der Dolce-Vita-Traum vom High Life auf hoher See, den uns die Freizeit-Industrie verkauft? Auf diese satirische Botschaft lässt sich das Werk der beiden Nachwuchskünstler nicht ganz reduzieren. Denn sie artikulieren schon auch jene sinistre Faszination, die von den „trashigen“ Einweg-Ekstasen der Warenwelt ausgeht.

Ein großformatiges Gemälde etwa erinnert an die einstige Junkie-Szene am Züricher Platzspitz. In der zerfransten, explodierenden Komposition des Bildes wird am Beispiel der Drogensucht die destruktive Wirkung des Wegwerf-Glücks spürbar, das uns die Konsumgesellschaft offeriert.

Die Schau der „Mahlergruppe“ bildet einen ersten Höhepunkt des Jubiläumsjahres, in dem der Kunstraum 40. Geburtstag feiert. Seit seiner Gründung 1973 hat sich dieser private, gemeinnützige Kunstverein erfolgreich der Förderung noch wenig bekannter Künstler gewidmet. Mancher erinnert sich vielleicht mit nostalgischen Gefühlen an die schöne leere Altbauwohnung mit Parkettboden an der Schwabinger Nikolaistraße, wo der Verein legendäre Ausstellungen damals junger Künstler wie Gerhard Merz, Wolfgang Laib, Richard Tuttle und anderer zeigte, die heute längst Berühmtheiten sind.

Vor Verkrustungen konnte sich diese kleine, aber feine Kunst-Institution, die aus dem Münchner Kulturleben nicht wegzudenken ist, immer geschickt bewahren – auch durch Veränderungen in der Führungsstruktur: Mitte der 90er-Jahre traten die höchst verdienstvollen „Honoratioren“ in den Hintergrund, die im Alltag bürgerlichen Berufen nachgingen. Heute haben dagegen junge Leute das Ruder des Vereins übernommen, die meist auch hauptberuflich im Kulturbetrieb tätig sind.

Kunstraum München feiert 40-jähriges Jubiläum - Bilder

Kunstraum München feiert 40-jähriges Jubiläum - Bilder

Für den Kunstraum, der inzwischen im Glockenbachviertel angesiedelt ist, agieren aber auch sie ehrenamtlich. So wie Daniela Stöppel, Vorsitzende des Vorstands, die sonst als Kunstgeschichts-Dozentin an der Uni arbeitet. Sie sieht den Kunstraum als „Durchlauferhitzer“, in dem sich Nachwuchskuratoren erste Meriten im realen Kulturleben erwerben können. Und tatsächlich leiten ehemalige Kunstraum-Vorstände heute große Kunstvereine etwa in Wolfsburg oder Karlsruhe. Allein mit den Beiträgen der rund 150 Mitglieder wäre der Kunstraum natürlich nicht zu finanzieren, darum gibt es eine Grundförderung durch das Kulturreferat der Stadt.

Aber auch weitere Geldgeber können die engagierten Ausstellungsmacher immer wieder für einzelne Projekte gewinnen, etwa das Bayerische Kunstministerium, das die aktuelle Schau mit unterstützt. Beachtlich, wie sicher die jungen Kapitäne den 40-jährigen Kunstraum-Dampfer steuern. Bei dem ist der Eintritt, anders als auf der „Aida“, übrigens kostenlos.

Alexander Altmann

Bis 26. Mai,

Holzstraße 10, Rückgebäude, Mittwoch bis Freitag 15 bis 19 Uhr, Samstag und Sonntag 12 bis 19 Uhr.

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