Wehmütiger Trip in die Unsterblichkeit

- Dies ist auch so schon eine lange Karriere, doch der Grandseigneur da auf der Bühne der Münchner Lach- und Schießgesellschaft verlängert sie elegant noch um ein paar Jahrzehnte. Seine Tante Friedel (1896-1998), einst eine berühmte (Klein-)Künstlerin, bildet das Medium für eine anekdotensatte Reise in die goldenen Zeiten des Wiener Cabarets "Hölle". Aber auch ohne diese Exkursion in die Zwanzigerjahre ist Ernst Stankovskis Abschied vom Brettl ein wehmütiger Trip ganz weit zurück, der allerdings zeigt, dass viele Melodien zu unsterblichen Ohrwürmern geworden sind und dass so mancher Text bis heute aktuell ist.

Fritz Grünbaum, Fritz Löhner-Beda, Hermann Leopoldi, Robert Stolz - auch wenn im von Freunden und Kollegen angereicherten Publikum nicht jeder Name sofort zündet, zaubert das Multitalent (Schauspieler, Autor, Musiker . . .) doch sofort die Atmosphäre im Österreich zwischen den Kriegen her, wo man liebte und grantelte, schön tat, schlecht (übereinander) redete - und ein bisserl antisemitisch war. "Die Bilanz", "Schön ist so ein Ringelspiel" oder "Was braucht der Wiener?" - meisterhaft entstaubte Nummern aus einer großen Zeit, die mit dem Nationalsozialismus ein nicht zuletzt für die Künstler grausames Ende fand.<BR><BR>Politisches Engagement durchzieht das Werk des Spötters, und auch mit seinen Späßen ist es ihm Ernst. "Biermanns Gitarre" - eine feine Parodie auf den Politbarden, dessen Protest zur Pose erstarrt. "Leck. Braten . . ." - eigentlich ein urkomisches Potpourri aus Bekanntschaftsanzeigen und doch zugleich der verzweifelte Schrei nach Liebe. Kein Wunder, dass da auch das alte Schwabing, wo Stankovski in den Sechzigern oft auftrat, eine Grabrede gehalten bekommt.<BR><BR>Nicht ganz uneitel ist das bisweilen und mitunter auch ein wenig verkopft. Doch das wird an diesem denkwürdigen Abend aufgewogen durch die selten gewordene große Kunst des klassischen Entertainments, durch die Mischung aus Confé´rence, Liedern und Rezitationen, für die man heute gut und gerne drei Mann auf der Bühne bräuchte. Und die wären nicht so gut.<BR>

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