Wehmut und Ironie

- Esther Ofarim? Es gibt sie noch. In den 60er-Jahren zählte sie zu den erfolgreichsten Schlager-Interpretinnen. Heute zieht die zierliche Sängerin ihr Publikum allerdings nicht mehr mit Schlagern, sondern mit Folk, Klassik, Musical-Songs, Balladen und traditionellen israelischen Liedern in ihren Bann. Sie spielte Theater, und seit einigen Jahren tritt sie in Hamburg, wo sie mittlerweile auch lebt, regelmäßig mit einem Soloprogramm in den Kammerspielen auf. Fast voll ist das Prinzregententheater, in dem die israelische Künstlerin nach langer München-Abstinenz nun gastierte.

Im Dunkeln suchte sich zuerst ihr Pianist Yoni Rechter den Weg zum Flügel, schlug ein paar Takte an, dann folgte Esther Ofarim. Fast zaghaft, etwas nervös, unsicher, so als hätte sie noch nie vor Publikum gestanden. Mittlerweile ist sie 63 Jahre alt, hat über 40 Jahre Bühnenerfahrung, zehn davon war sie mit ihrem ehemaligen Lebens-und Gesangspartner Abi Ofarim als Duo unterwegs.<BR><BR>Ihr Konzertprogramm ist eine Reise durch Jahrhunderte und Kontinente, eine Mischung aus israelischen Weisen, französischen Chansons sowie amerikanischen Musical-Songs. In schwarzem, langem, weit fallendem Rock, schwarzem Blazer und knallroten Haaren steht sie ausgesprochen fragil wirkend vor dem Mikro. Ihre Stimme wird stark mit Hall unterlegt in den Raum getragen. Begleitet neben dem Flügel auch von Violine (Michail Paweletz) und Bass.<BR><BR>Mittellage und Tiefe der Ofarim sind warm und rund, die Höhe nicht immer lupenrein. Zunehmend gewann sie allerdings an Intensität beim Vortrag ihrer sensiblen und ruhigen, wehmutsvollen Balladen. Berührend gestaltete sie die Mendelssohn-Bartholdy-Weise "Leise zieht durch mein Gemüt". Doch dass sie auch über Kraft und Ironie verfügt, bewies sie sehr eigenwillig mit dem Noel-Coward-Song "Mad About The Boy" und Kurt Weills "Moon Of Alabama".<BR><BR><P><BR> </P>

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