Wehmut und Naivität

- Krustig ist die Oberfläche, die viele Schattierungen von Grün aufblitzen und wieder verschwinden lässt. Wie eine Rinde überzieht dicke, rissige Pigmentpaste die Leinwand. Zahllose feine, dünne Farbstriche lockern als eifrig dahinwuselnde Überzeichnung diese massive Materialität auf. Das Blaugrün im oberen Teil des Bildes nimmt zur Mitte hin mehr Gelbgrün auf und unten Ahnungen von Rosa und Weiß. Im Abstand von circa fünf Metern fügen sich diese Nuancen im Auge des Betrachters zu einer Landschaft.

Der Blick schweift von einer Anhöhe mit Schafen hinab ins Tal und wieder hinauf zu Bergen und Himmel. Eine Art Weltlandschaft, wie sie die alten Meister einst schufen, aber doch heutig. Ein wehmütiges Heute allerdings.

Schwierige Suche

Die Bayerische Akademie der Schönen Künste widmet ihrem Mitglied Rudi Tröger die Ausstellung "Gartenbilder" in ihren Räumen in der Münchner Residenz: eine erweiterte Präsentation der Schau des Kunstmuseums Dieselkraftwerk Cottbus. Gezeigt wird ein Überblick von den 60er-Jahren bis in die Gegenwart. Der Chronologie nicht folgend, versucht man, Bezüge insbesondere zwischen dem Früh- und Spätwerk herzustellen.

Tröger, 1929 im oberfränkischen Marktleuthen geboren, studierte nach dem Krieg an der Münchner Akademie und lehrte auch später dort. Er lebt in München und Westerholzhausen. Die Anfänge zeigen einen Künstler, der sich leidenschaftlich mit Farbe auseinandergesetzt hat, wobei malerische und zeichnerische Elemente ineinander übergehen. Die Energie und naive Frische der Art Brut scheint Tröger inspiriert zu haben.

Ab den 70ern wird der Weg des Malers schwer. Wohin soll er das Medium treiben? Aus so manchem Gemälde spricht Hilflosigkeit. Rudi Tröger sucht Trost bei den Impressionisten - ohne Erfolg. Erst als der Mut zur Naivität, zu einer Art Rückwärtsgewandtheit wieder erstarkt, bekommen die Bilder erneut Halt. Die Wehmut bleibt: Werden und Vergehen in Geschichte und im Leben wie im Garten, ob Frühlingsbaum, ob alter Gartenstuhl, ob Kinder auf der Schaukel.

Bis 2. Juli, Tel. 089/ 29 99 770, Katalog: 15 Euro.

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