Weiche Übergänge

- Es hat etwas Makaberes, wenn zu Lebzeiten des Künstlers ein Verein gegründet wird, um sein Werk der Nachwelt zu sichern. Die Sammlung Rudolf Ludwig Reiter allerdings mag ihre Berechtigung haben: Die Arbeiten des wandelbaren Erdingers erfuhren immensen Absatz und eine ebensolche Preissteigerung. Mit einem kleinen Querschnitt durch die Extreme Reiters - von romantischer Moderne bis zu abstraktem Expressionismus - präsentiert sich der Reiter-Verein in München. Das, was noch alles dazukommen könnte, wird in einer Retrospektive im Max-Joseph-Saal der Münchner Residenz gezeigt.

<P>Reiters neue Bilder, diese vielschichtigen Metamorphosen von Farbe und Form, diese weiche Übergänge und die Spuren von Action Painting, verweisen auf eine bewegte Vergangenheit. Das waren der enge Bezug zu Beuys in den 70er-Jahren und die spektakulären Aktionen der 80er, das waren Land Art und die Neuerkundung der Wege von Caspar David Friedrich. Reiter als Romantiker schwelgt in hauchzarten Farbfeldern, postiert Staffage- und Rückenfiguren, kreiert unendliche Räume, einen sanften Kosmos, in dem der Mensch seine Kleinheit spürt. Sind es nun "Innenweltenwanderer" oder "Landstreicher", die sich auf den Weg in die Transzendenz machen? </P><P>Die informellen Bilder schwanken ähnlich. Einerseits sind es sanfteste Schichten, in die Gedanken mit knapper Gestik und der Leichtigkeit, aber nicht mit der Deutlichkeit eines Miró´s eingefügt werden. Andrerseits betropft, bearbeitet Reiter seine Leinwände wie einst Jackson Pollock. Die sanfte und die wilde Seele befindet sich hier im ständigen Wechselspiel. Verwandlung ist dementsprechend das Kernthema, das perfekt bei religiöser Symbolik umgesetzt wird. Ein farbgetränktes Tuch windet sich kreuzförmig empor, Licht und Dunkelheit, Blau und Rosa lassen sich gegenseitig Raum und erfüllen mit ihrem Leuchten und ihrer Tiefe den Betrachter. </P><P>Bis 18. Mai, Infos unter Tel. 08122/15 496. <BR></P>

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