Weichei und Weiberheld

- "Ich hab' drei Asse", stellt einer der Pokerknaben gleich am Anfang fest. Dieser Satz stammt zwar aus dem Stück, das jetzt in Münchens Komödie im Bayerischen Hof Premiere hatte, aber er könnte auch von Theaterchefin Margit Bönisch selbst sein. Denn derzeit nämlich ist sie als Zockerlady vom Boulevard im Besitz jener Trümpfe. Und das sind: die Schauspieler Uwe Ochsenknecht und Heiner Lauterbach sowie Neil Simon mit seiner berühmtesten Komödie _ "Ein seltsames Paar".

<P>Die Story, deren legendäre Verfilmung mit Jack Lemmon und Walter Matthau hinlänglich bekannt sein dürfte, ist bei dem in die Jahre gekommenen "Männer"-Paar bestens aufgehoben. Von Anfang an macht es Spaß zuzuschauen, wenn Lauterbach als von Frau und Kind verlassener Ekel-Chaot Oscar unter trotzig-rauer Macho-Schale momentweise den zarten Kerl durchblitzen lässt. Und wie bei ihm nun Ochsenknecht als hausfraulich-penibler Erbsenzähler und soeben zu Hause rausgeflogener Felix Quartier bezieht. Herrlich, wie der seine hypochondrischen Übungen macht; wie er die zur Müllhalde verkommene Wohnung (Ausstattung: Thomas Pekny) zur sterilen Musterbleibe trimmt, so dass sich die Pokerfreunde ab sofort bei ihrem Besuch die Schuhe ausziehen müssen. Wie er mit seiner Ordnung und seinen Kochkünsten den Freund terrorisiert, wie er sich die Krawatte gerade rückt oder vor lauter Verlegenheit am Hosenbein nestelt. Oder wie er weint über seine zerbrochene Ehe und schließlich als nervendes Weichei den smarten Weiberheld Oscar aussticht.</P><P>Was Ochsenknecht hier an facettenreichem Innenleben nach außen transportiert, das ist, weil er es so ernst nimmt, bemerkenswert komisch. Am besten aber ist er, wenn er für nur ganz kurze, blaue Augenblicke den starken Max markiert. Dann scheint es, als wolle er aus seinem Körper, aus seiner zu eng gewordenen Haut herausfahren, ehe er sich als Musterbild angstvoller Korrektheit wie eine Ziehharmonika von selbst wieder seelisch zusammenfaltet.<BR>Lauterbach und Ochsenknecht, diese gewieften späten Jungs, schlagen Simons genialen Dialoge wie federleichte Pingpong-Bälle rasant und treffsicher hin und her. Sie wissen: Auf der Bühne wird bar bezahlt. Und das tun diese Protagonisten vom Medienmarkt der Eitelkeiten schön uneitel und selbstironisch. Dass Regisseur Stefan Zimmermann aber einen großen Anteil daran hat wie auch die anderen Darsteller mit ihren Zubringerdiensten, sollte hier nicht unterschlagen werden.</P><P><BR> </P>

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