Weichgespült

- Bei Mozart gab sie auf. Denn eigentlich sollte zum Jubeljahr des Salzburgers eine CD auf den Markt geworfen werden. Doch während der Sitzungen mit Claudio Abbado wurde alles abgeblasen. Sie sei keine Mozart-Spezialistin, ließ die russische Diva verlauten.

Wohl aber eine für Heimatliches. Denn ausnahmsweise haben die trompetenden PR-Abteilungen Recht. Wer die Netrebko vor wenigen Jahren in Salzburg gehört hat, bei einer grandiosen konzertanten Aufführung von Prokofjews "Krieg und Frieden", der erlebte: Russisches passt zu ihr. Mehr noch als all die Lucias, Violettas oder Susannas.

Umso fragwürdiger die Auswahl auf ihrem "Russian Album". Statt Gewichtiges aus dem Opernrepertoire singt Anna Netrebko vor allem eines: Nettes, Weichgespültes, Harmloses. Etwas monochrome Lyrik, die sich naturgemäß wenig mit der nicht gerade zum Farbenreichtum neigenden Stimme verträgt. Und beim dramatischen Aufwallen der Briefszene aus "Eugen Onegin" bleibt Anna Netrebko ganz schüchterne Tatjana. Ein heikles CD-Finale ­ diesen Reißer haben andere wahrlich packender gestaltet.

Gleichwohl: Für Tschaikowsky, Rachmaninow, Glinka & Co. ist die Stimme der Netrebko auch eine Wohltat ­ man denke nur an die gaumigen, schwer tremolierenden Organe mancher Kolleginnen. Anna Netrebko gestaltet da viel instrumentaler, zurückhaltender, mädchenhafter. Selbst Valery Gergiev, der Haudrauf unter den Pultstars, wird da zum schnurrenden Tigerchen. Auch das eine neue Hörerfahrung.

Anna Netrebko

"Russian Album"

Orchester des Mariinsky-Theaters, Valery Gergiev (Deutsche Grammophon)

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