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Er röhrt, raunt, brüllt die Bibel: Ben Becker.

Ben Becker in der Olympiahalle

Mit Weihrauch gegen Würstl-Dampf

Jetzt ist er doch noch gekommen. Schon im Oktober wollte Ben Becker mit seiner Bibel-Lesung in der Olympiahalle auftreten. Der Termin wurde ein ums andere Mal verschoben, weil sich die Karten schlecht verkauften. Obwohl sich der Skandal-Bub nicht über mangelnde Medienpräsenz beklagen kann.

Gut besucht ist die Aufführung auch jetzt nicht. Weihrauch nebelt im Raum, soll Stimmung verbreiten, verliert aber den Kampf gegen den ortsüblichen Würstl-Geruch. Becker steht mit dem Filmorchester Babelsberg, vier Gospelsängerinnen und seiner Zero Tolerance Band auf der Bühne. Die liefern mal sphärische, mal wummernde Hintergrundmusik. Im Mittelpunkt stehen Becker und seine Stimme, die zweifelsohne ein Spektakel ist: Er röhrt, raunt, brüllt, wirft sich mit voller Wucht ins Luther-deutsche Pathos und gestikuliert, als müsse er den Text hier und jetzt aus dem Boden stampfen. Im Laufe der zweieinhalb Stunden wird der bedrohlich kinskihafte Stil allerdings etwas eintönig.

Ab und an wechselt Becker das Mikrofon, singt Elvis, Johnny Cash und Dolly Parton. Sonst verlässt er sich auf den Text, und der wird tatsächlich zum Erlebnis. Becker zeigt den grollenden, unversöhnlichen Gott. Dass es hier aber um einen religiösen Text geht, um sakrale Bedeutung und nicht um ein Manuskript für eine Ego-Show, gerät da schon mal in Vergessenheit. Marie Schmidt

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