Weil ich atme

- "Hell, klar, durchhörbar, Musik ist für mich in erster Linie Körper, Kontur und Sprache, nicht Brei", so beschreibt Wilhelm Killmayer die wesentlichen Charakteristika seiner vielschichtigen Musik. Morgen feiert der 1927 in München geborene Komponist seinen 75 Geburtstag.

<P>Von 1945 bis 1951 studierte er am Münchner Musikseminar von Hermann Wolfgang von Waltershausen. Anschließend bei Carl Orff. Neben seiner kompositorischen Arbeit war Killmayer am Trappschen Konservatorium und als Ballettdirigent tätig. 1973 übernahm er den Lehrstuhl für Komposition an der Münchner Musik-Hochschule. </P><P>Für sein ›22uvre, das neben drei Werken für das Musiktheater zahlreiche Vokal- und Chorwerke, Gesang mit Orchester und verschiedenen Instrumenten, Kammermusik und Symphonisches umfasst, wurde Killmayer vielfach ausgezeichnet. Welcher Gattung er sich persönlich am nächsten fühlt, lässt er offen, "das wechselt mit den Lebensaltern". Mit Vorliebe jedoch schreibt er für Singstimme, aus dem einfachen Grund: "weil ich atme". Dass er das Komponieren zu seinem Beruf machen wollte, stand für ihn fest, seit er denken kann und zum ersten Mal Musik gehört hat. "Ohne Kunst wäre ich in existenzieller Not." Komponieren ist für ihn ein Trieb, und das jeweils nächste Werk an dem er arbeitet, ist stets das Wichtigste.</P><P>Wilhelm Killmayer will weder in Schubladen kompositorischer Gattungen eingeordnet werden, noch möchte er auf die Frage nach unmittelbaren Vorbildern Namen nennen. Nur so viel: "Die tonschlanken Komponisten liebe ich mehr als die tonfetten." Seinen zahlreichen Vertonungen liegen unter anderem Texte von Garcia Lorca und Sappho zugrunde, und insbesondere ist sein Musikschaffen von Friedrich Hölderlin inspiriert. "In den späten Hölderlin-Gedichten habe ich ein Äquivalent zu meinem von mir erstellten Musikgeschehen: Sie kommen scheinbar aus einer anderen Welt, aber es ist die unsere, wiedergenesen." Getreu der einstigen Lehre Carl Orffs, sich stets auf sich selbst zu verlassen und nicht auf die anderen zu hören, verzichtete Killmayer darauf, sich dem Zeitgeschmack anzupassen und verfolgte uneingeschränkt seine Ziele. </P><P>"Wenn man Komponieren als eine Tätigkeit erkennt, die sich mit dem eigenen Ich befasst oder seinen Prägungen, kann man sich gar nicht anpassen, denn man kann ja niemand anderer sein als man selber. Dass heute die Moden so rasch wechseln, sehe ich als positiv an: das bloß für eine Zeitströmung Produzierte wird von dem nächsten Schub weggeschwemmt. Aber Neues schafft sich oft selbst, ohne dass man es gleich bemerkt, auch ohne dass man es anstrebt. Es kommt aus einer anderen Schicht als die Wettkämpfe."</P><P>Und was heute Entwicklung, Stellenwert und Zukunft der zeitgenössischen Musik anbelangt, ist er durchaus positiv eingestellt: "Auch in den 50er-Jahren hat man nach Entwicklung der Zukunft gefragt, von den Prognosen ist so gut wie nichts eingetroffen; es ist nichts vorhersehbar, Gott sei Dank, die Entwicklungen verlaufen oft anders, als sie zu versprechen scheinen."<BR></P>

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