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Jacques Offenbachs Hoffmann (Niclas Oettermann) schmachtet hier Antonia (Tatiana Larina) an. 

Festival auf Gut Immling

Wein, Weib und Gesang – und der Untergang eines Dichters

Halfing - Beim Festival auf Gut Immling hatte die Oper „Hoffmanns Erzählungen“ Premiere.

„Drei Frauen in einem Wesen“, so hatte es sich Jacques Offenbach vorgestellt, als er seine unvollendet gebliebene Oper „Hoffmanns Erzählungen“ zu Papier brachte. Drei Episoden aus dem unglücklichen Liebesleben des dem Alkohol verfallenen Dichters, in denen sich doch eigentlich immer nur Facetten der einen Wahren, seiner angebeteten Stella, spiegeln. Sei es nun die seelenlose Puppe Olympia, die sensible Antonia oder die kühl berechnende Kurtisane Giulietta. Diese Figuren von ein und derselben Sängerin verkörpern zu lassen gestaltet sich im Bühnenalltag freilich nicht immer ganz einfach. Bringt doch jede dieser Rollen ihre ganz speziellen stimmlichen Anforderungen mit. Beim Opernfestival auf Gut Immling hat man nun zum Glück mit der jungen Russin Tatiana Larina eine Sängerin gefunden, die sich wagemutig dieser Herausforderung stellt und damit triumphiert.

Wie schön ist es, die virtuose Olympia-Arie einmal nicht von der üblichen leicht vor sich hin zwitschernden Soubrette zu hören, sondern einen samtig weichen lyrischen Sopran zu erleben, der trotz dunkler Grundierung über präzise geschliffene Koloraturen und bombensichere Spitzentöne gebietet. Voll entfalten darf Larina ihr stimmliches Potenzial danach als todgeweihte Antonia, bevor sie effektvoll ins Kostüm der Verführerin Giulietta schlüpft und Hoffmanns endgültigen Untergang besiegelt.

Von diesem darstellerischem Totaleinsatz profitiert auch Regisseurin Verena von Kerssenbrock, die immer wieder Beziehungen zwischen den einzelnen Akten herstellt und den selbst entworfenen Bühnenraum perfekt nutzt, in dem eine Reihe von Drehtüren rasche Übergänge ermöglicht. Zweiter Fixpunkt und Stütze der kurzweiligen Inszenierung ist Bariton Rhys Jenkins, der hier in die Rollen von Hoffmanns Widersachern schlüpft. Ein dämonischer Clown, der grimassierend über die Bühne tänzelt, seine wahre Natur aber kaum je verbergen kann. Neben den Kostümwechseln beweist er dabei vor allem stimmliche Wandlungsfähigkeit. Lediglich der Schluss von Dapertuttos „Spiegelarie“ wirkt arg erkämpft, trübt den positiven Eindruck aber kaum.

Dass auch diese in der Originalpartitur nicht vorhandene Nummer erklingt, ist der Tatsache geschuldet, dass man in Immling die Forschungen und Rekonstruktionsversuche der jüngeren Vergangenheit weitgehend weg lässt und auf die bewährte Bühnenfassung vertraut. Warum man sich aber für die sperrigen deutschen Texte entschieden hat, die sich nicht immer gleich gut an die französisch komponierte Gesangslinie anschmiegen wollen, bleibt hingegen das Geheimnis des Produktionsteams. Zumal Deutsche im Ensemble nicht gerade in der Mehrheit sind, und man wegen der teilweise recht schwammigen Diktion oft auf den rettenden Blick zu den Übertiteln angewiesen ist.

Hier liegt auch das größte Manko von Titelheld Niclas Oettermann, der sich seine verzwickte Partie ansonsten überwiegend klug einteilt, in entscheidenden Momenten wie der Ballade von „Kleinzack“ oder dem fordernden Giulietta-Akt dann seine ganzen Reserven mobilisieren kann. Der Rang abgelaufen wird ihm trotz allem von Antonela Barnat, die Hoffmanns Freund Niklausse ihren farbenreichen Mezzo leiht, der sich in der berühmten Barcarole ideal mit der Stimme von Tatiana Larina mischt. Unbedingt erwähnt sei ebenfalls der darstellerisch wie stimmlich überaus agile Bonko Karadajov. Als schwerhöriger, deshalb nicht minder sangesfreudiger Diener Franz darf er sich einen komödiantischen Schlagabtausch mit Dirigentin Cornelia von Kerssenbrock liefern, die eine ihrer bislang wohl besten Leistungen zeigt. Stets den leichten Tonfall der Opéra comique bewahrend treibt sie das Geschehen mit forschen Tempi voran und balanciert nach den schmissigen Trinkliedern von Hoffmanns Saufkumpanen in den drei mittleren Akten mit vollendeter Eleganz auf dem schmalen Grat zwischen empfindsamem Drama und Ironie.

Tobias Hell

Weitere Vorstellungen

noch bis 7. August; Karten: 080 55/ 90 34-0.

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