Weiße Wände statt Plüschsamt

- New York - Sterile weiße Wände anstelle von rotem Plüschsamt, historische Erklärungen statt verführerischer Dessous: Das neue "Museum of Sex" (MoSex), das an diesem Samstag (28. September) in New York eröffnet wird, ist nicht sexy und auch nicht verrucht. Stattdessen seziert es eher klinisch die "Geschichte, Entwicklung und Bedeutung der menschlichen Sexualität", so der Anspruch des Museums. Es ist die erste und bisher einzige Einrichtung ihrer Art in den USA.

<P>Dass das MoSex nach fünfjährigem Ringen gerade in New York eröffnet wird, ist kein Zufall. Die internationale Metropole sei "als Stadt dreist genug, groß genug, verdorben genug, bizarr genug und frech genug, eine Sexual-Geschichte wie keine andere zu haben", sagte Daniel Gluck, der 34-jährige Gründer und Direktor des Museums der "New York Times". So heißt auch die Debüt-Ausstellung "NYC Sex: How New York City Transformed Sex in America" (Wie New York City den Sex in Amerika beeinflusst hat).</P><P>In drei Ausstellungsräumen auf zwei Etagen des ehemaligen Bordells aus dem 19. Jahrhundert werden Besucher durch die Geschichte der Subkulturen der Stadt geführt. Fotos, Zeitungsausschnitte und Archivmaterial dokumentieren den Kreuzzug der Gegner von Homosexuellen, Bordellen und Pornografie in der Bowery des 19. Jahrhunderts. Der Mord an der Prostituierten Helen Jewett im Jahre 1836 führte zum ersten Sex-Skandal der Moderne. Margret Sanger wanderte 1917 ins Gefängnis, weil sie in ihrer Klinik Tipps zur Geburtenkontrolle gab. Und ein GI aus der Bronx wird in den 50er Jahren der erste öffentlich gefeierte Transsexuelle.</P><P>Auch Julius Schmid, einem deutschen Einwanderer, ist ein Kapitel gewidmet: Er kam 1883 auf die geniale Idee, aus Wurstpellen Kondome zu basteln, die er illegal unter dem Markennamen "Ramses" verkaufte. Er wurde Millionär.</P><P>Auch die politische Mobilisierung der Lesben und Schwulen in den 60er Jahren, die Auswirkungen von HIV/Aids auf die Gesellschaft und dem Kampf von Bürgermeister Rudolph Giuliani gegen die Rotlichtszene am Times Square in den 90er Jahren wird Platz eingeräumt.</P><P>Dass der Prüderie in Amerika auch im 21. Jahrhundert keine Grenzen gesetzt sind, zeigt die Entstehungsgeschichte des MoSex selbst: Die 14 Elite-Professoren für Geschichte, die das Museum als Berater gewinnen konnte, unterstreichen zwar den wissenschaftlichen Anspruch, halfen aber nicht dabei, dass das Ausstellungshaus als gemeinnützige Organisation anerkannt wurde.</P><P>Außerdem musste ein Sicherheitsabstand von 167 Metern zu allen Kirchen und Schulen eingehalten werden. Und erst wer 18 ist, darf sich dort über Sex informieren; Jüngere werden nicht über die Schwelle gelassen. Das war der Katholischen Liga für Religions- und Bürgerrechte in New York jedoch immer noch nicht gut genug: Sie hat das Museum bereits als "MoSmut" (Museum des Drecks) bezeichnet.</P><P>Billig im Sinne von günstig ist das MoSex übrigens nicht: 17 Dollar Eintritt kostet ein Gang durch die Räume - ein erotischer Film ist übrigens schon für 10 Dollar zu haben.</P>

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