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Der Kaiser ist gerührt. Schließlich wurde Maximilian Schell nicht nur auf der Bühne gehuldigt, sondern auch vom Publikum der „Sing Along“-Vorstellung des „Weißen Rössl“.

"Rössl": Mittendrin statt nur dabei

München - Singen, Jubeln, Schmatzen – und Duschhauben gegen den Schnürlregen: Das Gärtnerplatztheater lud zum Mitmachen im „Weißen Rössl“ ein.

Josef E. Köpplinger lud zum Mitsingen ein – und alle kamen. Rappelvoll war das Fröttmaninger Zelt, (gar kein so schlechtes) Übergangsquartier fürs Gärtnerplatztheater in der Sanierungsphase. Köpplinger, der neue Intendant, der sich mit seiner Inszenierung von Ralph Benatzkys Singspiel „Im Weißen Rössl“ bestens in München eingeführt hat (wir berichteten), erweist sich mit seiner „Sing Along“-Idee auch als cleverer Promoter seines Hauses.

Und er wird so recht ein Intendant zum Anfassen, wie er da in zünftigen Lederhosen und Gamsbart-Hütchen seinem „Aktiv-Publikum“ dramaturgische Anweisungen gibt. Mitmach-Utensilien waren vorab in Plastiktütchen verteilt worden (viel zu wenige, Herr Intendant!). Also: die roten Herzchen hochhalten bei Anschmachte-Liedern, schwenken bei Pärchen-Findung. Bei Kuss-Szenen schmatzen, „Aua“ rufen bei Ohrfeigen. Duschhauben aufsetzen, wenn der Salzkammergut-Schnürlregen einsetzt, und Fähnchen schwenken, wenn der Kaiser, Maximilian Schell, im „Rössl“ einkehrt.

Das Publikum frisst Köpplinger aus der Hand: reagiert punktgenau, wenn Leopold, alias Daniel Prohaska, mit Schmelz die resche „Rössl“-Wirtin Josepha von Sigrid Hauser umwirbt (zwei Prachtstimmen, die sich auch hinreißend fetzen können). Wenn im Tohuwabohu von – liebes- und eifersuchtsbedingt – ständig umgetauschten Gäste-Zimmern und diversen Personal-Schwächen die Watschen knallen.

Ja, es ist was los in dieser touristisch beliebten Traditionsherberge, in der knarzige Berliner Müggelsee-Fanatiker (Hans Teuscher, was für ein Giesecke!) auf eingefleischte Wolfgangsee-Habitués stoßen und sich gleich mehrere komplizierte Liebesbande knüpfen. Heißt hier auch: Die Inszenierung, durchtänzelt von weiß-blauen (!) Amoretten und fitnessbedachten Sommerfrischlern und blendend getragen vom Staatstheater-Orchester unter Jürgen Goriup, geht zügig über die Bretter. Und die Zuschauer – lauter entspannt schmunzelnde Gesichter – gehen total mit.

Auch mit Stimme! Schon das Einsingen entlockte Köpplinger Lob. Und vom „Lustigsein im Salzkammergut“ über den Titelsong bis zu Leopolds Herzerweicher „Es muss was Wunderbares sein, von Dir geliebt zu werden“ – die Zuschauer können sich hören lassen. Manch einer hat dabei den seitlich ans Bühnenportal projizierten Text gar nicht gebraucht. Nicht so groß war das Engagement dagegen bei der erwünschten Kostümierung in Tracht oder Dreißigerjahre-Look. Vielleicht hat das schon faschingshafte Oktoberfest die bayerische Verkleidungs-Lust etwas erschöpft. Gärtnerplatz-Pressechef Gunnar Klattenhoff, in der Pause eifrig das Foyer durchforstend, konnte ein knappes Dutzend Kostümträger ausmachen: Dirndl-Damen, Lederhosen- und Janker-Träger und ein edles Dreißigerjahre-Pärchen. Die Sieger, gewählt von „Rössl“-Protagonisten und einer enthusiastischen Zuschauerin, erhielten Karten für kommende Gärtnerplatz-Produktionen.

Köpplingers andere Art von „Volkstheater“ kommt gut an. Am Ende minutenlange Standing Ovations.

Malve Gradinger

Das „Sing Along“-Rössl

gibt es noch mal am 30. Dezember; die nächsten reguläre Vorstellungen vom „Weißen Rössl“ finden heute, morgen sowie am 2., 3., 4. und 6. November statt;

Telefon 089/ 21 85 19 60.

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