Weißwürste für Papageno

- Ja, so einem g'scherten Papageno ist der Opernbesucher bisher wohl selten begegnet. Nicht nur die Krachlederne outet ihn als g'standenen Bayern, sondern auch sein waschechter Dialekt. Wolfgang Wirsching, heuer mit dem Merkur-Förderpreis ausgezeichnet, ist der jugendfrische Vogelfänger, mit dem das Freie Landestheater Bayern in Mozarts "Zauberflöte" wuchern kann.

Beim Gastspiel im Carl-Orff-Saal avancierte Wirsching rasch zum Publikumsliebling. Und das nicht nur, weil er eine Maß stemmte und eine Weißwurst zuzelte, sondern weil er mit unaufdringlichem Humor und gepflegtem, liedhaft-lyrischem Bariton agierte. Jung wie dieser Papageno war auch das restliche, spielfreudige Ensemble: Saskia Steinfeld durchwirkte als natürliche Pamina ihre todessehnsüchtige Arie und die Duette mit feinen Silberfäden. Angenehm unforciert und in jeder Silbe verständlich sang Robert Sellier den Tamino, trat jedoch allzu zurückhaltend auf.<BR><BR>Ein wenig profillos wirkte auch der Sarastro, den Werner Rollenmüller mit tiefem, arg gaumigem Bass ausstattete. Dank ihrer blitzenden Koloraturen trumpfte Elke Slawitscheks als Königin der Nacht auf - gewandet wie eine glitzernde, russische Großfürstin. Auch die drei Damen (Christin Mollnar, Elisabeth Neuhäussler, Christina Millauer) schienen direkt aus St. Petersburg importiert. Der tiefere Sinn von Andreas Arneths russisch-indisch-bayerisch-biedermeierlichem Kostüm-Mix erschloss sich gleichwohl nicht.<BR><BR>Sein reduziertes, gelungenes Bühnenbild (ein Spielpodest vor stilisiertem Felshintergrund) hingegen bewies, mit wie wenig Aufwand eine "Zauberflöte" funktioniert. Sogar dann noch, wenn - wie in dieser Wiederaufnahme - Regisseur Georg Blüml sein ambitioniertes, (er-)klärendes Konzept verwässert sah. <BR><BR>Trotzdem ließ sich Mozarts und Schikaneders dramaturgisch brüchiges, unschlüssiges Meister-Mach-Werk ganz naiv genießen. Und das obwohl auch das Orchester des Freien Landestheaters und Dirigent Rudolf Maier-Kleeblatt der Partitur zu wenig Kontur und Farbe abgewannen. Vielleicht lassen sie sich beim zweiten Münchner Versuch, am 11. Dezember, aus der Reserve locken.<BR>

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