Weit atmender Raum

- "Wir bauen unsere Stücke, wie ein Maler seine Bilder baut", sagt Nico(la) Hümpel. Und eben unter dieser Prämisse muss man die Arbeiten des Berliner Kollektivs Nico and the Navigators anschauen. 1998 gegründet, ist die Gruppe inzwischen Kult, gastiert weltweit und gerade auch wieder in München: mit farbsüffig bewegten Bildern zum Titel-Thema "HELDen & kleinMUT" (Muffathalle).

Mit einem postmodern strengen bildnerischen (Tanz-)Theater machten VA Wölfl und Wanda Golonka bereits in den 80er-Jahren Furore. Das Gespann Hümpel und Bühnenbildner Oliver Proske geht einen Schritt zurück, knüpft an die Bauhaus-Tradition an: große klare Linien, weit atmender Raum. Genauso Proskes hohe geschwungene Zwillings-Wände. Zitadelle, verwunschene Stadt. Auf dem Vorplatz ein Brunnen. Gekippt flacht er ab zur begehbaren Rollbahn. Hochästhetisch das farbliche Miteinander von Hümpels Kostümen und Peter Meiers Licht - Zwiegespräche von Crè`me-, Rosé´- und Flieder-Farben. Und die Halle durchgehend live erfüllt von zwei sanft gelaunten Gitarren. <BR><BR>Ja, das alles leuchtet, summt und raunt wunderschön, manchmal auch surreal, wenn aus den kaschierten Spalten und Luken des Festungswalls Dalí´- und Magritte-Wesen auftauchen. Verrätselte Bilder aus Angsträumen, die etwas aus dem gesetzten Themenkreis einholen: ein Mann mit Koffer auf schwindelnd hohem Mauervorsprung, ein schamvoll haarverhangenes Gesicht, ein anderes mit aufgepresstem Tuch zur Totenmaske erstarrt. Da wo die Regisseurin Hümpel allzu sehr zum Tanztheater neigt - wegen der Epigonalität ohnehin gefährlich -, in diesen Szenen hysterischer Selbstbehauptung, Selbst-Ermutigung und -Täuschung formulieren sich eher nur verschwommen Wahnwitz und Schrecken ihrer Anti-Helden. Es ist das siebte Jahr von N & N - vielleicht liegt's daran.<BR><P>Noch heute, 20.30 Uhr. Tel. 089/ 54 81 81 81.</P><P><BR> </P>

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