Weiterwursteln im Ungefähren

- Es will sich ja niemand dem Vorwurf aussetzen, er habe unbedacht den Kürzungen für die einzelnen Kultureinrichtungen zugestimmt. Das so genannte Feinkonzept, das gestern Kulturreferentin Lydia Hartl dem Kulturausschuss der Stadt München zur Abstimmung vorgelegt hat, beinhaltet herbe Einschnitte - mit der Perspektive bis 2006.

<P>Nachdem die Theaterförderung für die freie Szene und freien Gruppen - wie üblich auf niedrigem Niveau - diskussions- und widerspruchslos abgehakt wurde, herrschte fraktionsübergreifende Einigkeit auch darin, dass es in Sachen Subventionskürzungen beziehungsweise -streichungen noch Beratungsbedarf gebe. Entscheiden, befand man einstimmig, werde man im Kulturausschuss darüber nun erst im März. So lange müssen die einzelnen Institutionen, müssen Lenbachhaus, Kammerspiele, Volkstheater, die städtischen Orchester usf. weiterwursteln im Ungefähren.</P><P>Dass auch das Kulturressort sich zu beteiligen hat am Zwangsprogramm zur Konsolidierung - insgesamt etwa 18, 4 Millionen Euro bis 2006, das sieht wohl mittlerweile jeder ein. Und so erklärten auch gestern die Vertreter der einzelnen Fraktionen einstimmig ihren Willen, trotz heftiger finanzieller Einbußen möglichst die kulturelle Infrastruktur der Stadt insgesamt zu erhalten.</P><P>"Wir wollen nichts kaputt machen", sagte Monika Renner (SPD), "trotzdem sind wohl einige schwere Einschnitte nötig". Und Siegfried Benker (Grüne) ergänzte: "Wir werden versuchen, das differenzierte Kulturangebot zu erhalten. Was nicht heißt, dass wir alles retten und dass das, was wir retten, auf dem gleichen Niveau bleibt." Es werde ein Teil des kulturellen Angebots dieser Stadt verschwinden und damit auch ein Stück Lebensqualität.</P><P>Dass gespart werden muss, ist klar, nicht aber, wie. Bekennen sich die Mehrheitskoalition und Lydia Hartl dazu, in der Kultur gerade das Unangepasste zu erhalten, das, was vielleicht nur einen kleinen Teil interessiert, warnt die CSU davor, ausgerechnet jene Einrichtungen zu schließen, die von breiten Bevölkerungsschichten wahrgenommen werden. Zuallererst sind da die Stadtteilbibliotheken zu nennen. Von insgesamt 26 soll etwa die Hälfte daran glauben. Ferner die Münchner Symphoniker - mit der kulturreferatlichen Begründung, ihr Programm sei zu sehr auf populäre Klassik ausgerichtet.</P><P>Richard Quaas (CSU): "Für uns ist diese Vorlage eine falsche Schwerpunktsetzung." Es würden Jahrzehnte lang gewachsene Institutionen, die den Münchnern am Herzen liegen, leichtsinnig aufs Spiel gesetzt. "Die einmal geschlossenen Bibliotheken werden nicht wieder geöffnet. Aber: Jede Bibliothek ist auch ein Stück Stadtteilkultur." </P><P>Einerseits gebe die Koalition viel Geld aus für die Stadtteilkultur, andererseits wolle sie aber nun diese Zentren jener Kultur, wie es die Bibliotheken auch sind, schließen. Und für den Erhalt der Symphoniker argumentierte Quaas mit dem Hinweis: "Das ist das klassische Volksorchester. Es deckt eigentlich das ab, was wir sonst in München nicht haben. Können wir uns wirklich erlauben, einem Publikum den Stuhl vor die Tür zu setzen, so wie es schon beim Deutschen Theater versucht wurde?"</P><P>Das hört sich gut an, aber von wem nun die CSU die eingeforderten Millionen holen würde, konnte auch Quaas nicht beantworten. Außer dass er das von Kürzungen verschonte Eine-Welt-Haus unversehens ausspielte gegen die von Einsparungen nicht ausgenommene Volkskultur.<BR></P>

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