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TU-Gelände an den Pinakotheken

Neuer Konzertsaal: Welcher Standort ist der richtige? 

München - Über die Frage des „Ob“ ist man hinaus, jetzt geht es schon ums „Wie und Wo“: Ein neuer Konzertsaal für München ist zwar nicht beschlossene Sache, die Entwicklung scheint aber nicht mehr aufhaltbar. Wir stellen die Standort-Vorschläge vor:

Heute, 10 Uhr, trifft sich im Bayerischen Kunstministerium unter Vorsitz von Amtsinhaber Wolfgang Heubisch (FDP) erstmals eine Arbeitsgruppe, die sich mit den vier Standortvorschlägen beschäftigen will. Vertreter des Kunst- und Finanzministeriums sitzen am Tisch, auch der Baubehörde, des Konzertsaal-Vereins und des Bayerischen Rundfunks (wir berichteten). Auf dieser Seite stellen wir die dort diskutierten Standort-Alternativen vor – mit ihren Vor- und Nachteilen.

Auch ein Vertreter der Stadt München wäre bei den Sitzungen der Arbeitsgruppe herzlich willkommen. Und es deutet vieles darauf hin, dass auch im Rathaus die Saal-Debatte nicht mehr ignoriert werden kann. Die „bayerische Fata Morgana“, wie Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) noch zu Jahresanfang lästerte, materialisiert sich also. Zwar dürfte die Stadt keinen finanziellen Beitrag zum neuen Saal leisten. Doch mittelbar wäre sie betroffen: wenn die Veranstalter die Philharmonie verlassen und ihre Konzerte lieber im akustisch akzeptablen Umfeld stattfinden lassen.

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Erhebliche Einnahmeverluste drohen hier der Gasteig GmbH und damit der Stadt, bliebe sie doch dann „nur noch“ auf den Philharmoniker-Terminen und gelegentlichen Pop-Events sitzen. Es wäre also nicht überraschend, wenn bei der Gasteig-Renovierung noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. 11,6 Millionen hatte der Stadtrat jüngst für eine Minimallösung bewilligt – ein konkurrierender Saal würde die Gasteig-Väter und -Mütter in ungeahnten Zugzwang bringen.

Zusätzliche Dynamik hat die Saal-Diskussion auch durch den Einstieg von Unternehmensberater Roland Berger bekommen. Ihm wird zugetraut, dass er die notwendigen Privat-Millionen auftreiben kann. In diesem Zusammenhang richtet sich die Aufmerksamkeit auf den neuen Intendanten des Bayerischen Rundfunks, Ulrich Wilhelm. Sein Vorgänger Thomas Gruber hat sich in Sachen Konzertsaal weitgehend bedeckt gehalten. Verständlich, dass Mariss Jansons, Chefdirigent des BR-Symphonieorchesters, diesen diffusen Zustand beenden will: Er war bereits mit Wilhelm essen, und dabei dürfte es nicht nur um Jansons’ Vertragsverlängerung ab dem Jahre 2012 gegangen sein.

Noch gibt es, wie seinerzeit beim Cuvilliés-Theater, Prinzregententheater oder bei der Pinakothek der Moderne, keine Bürgerbewegung für einen neuen Saal. Der BR unternimmt aber alles, um eine breite Zustimmung zu erzielen – unter anderem mit einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion Mitte März (Heubisch, Jansons, Berger, Sänger Christian Gerhaher), die als Werbeveranstaltung gedacht ist. Und auf der Bühne soll auch jemand sitzen, der eben noch von einer Fata Morgana geplagt wurde: Christian Ude.

Die Standort-Vorschläge:

Apothekenhof der Residenz

Apothekenhof der Residenz

Es ist der mutigste und ungewöhnlichste Vorschlag: der bislang nur als Parkplatz und von Flaneuren kaum genutzte Apothekenhof der Residenz auf der Rückseite des Herkulessaales. Dieser Hof wird mit einer Glaskonstruktion überdacht, darunter entsteht, quasi als „Innenschuh“, eine moderne Architektur, die den Saal beheimatet. Die unter dem Hof liegende gotische Veste wird integriert, eventuell als Teil der Foyers.
Die Nachteile dieses Standorts: schwer einschätzbare Kosten (Überdachung, Veste), möglicherweise erhebliche Denkmalschutz-Probleme und ein zu starker Kontrast zum Residenz-Ensemble, mögliche statische Probleme bei der Integration der darunter liegenden alten Gemäuer, schwierige Bauphase (Innenhof-Situation). Die Vorteile: zentrale Lage, Nähe zur U-Bahn, starkes architektonisches Zeichen und Aufwertung eines Mauerblümchen-Areals, Ergänzung und Entstehung eines großen Musikzentrums mit Nationaltheater, Herkulessaal, Cuvilliés-Theater, Allerheiligen-Hofkirche und Konzertsaal.

Circus-Krone-Nachbarschaft

Circus-Krone-Nachbarschaft

Dies ist die jüngste, auch etwas unvermittelt aufgekommene Idee: das dreieckige Grundstück zwischen Pappenheim-, Spaten- und Marsstraße gegenüber dem Circus Krone. Die Architekten hätten hier weitgehend freie Hand, Platz wäre dort zur Genüge vorhanden. Die Nachteile: als Heimat für die Klassik-Kultur ein eher abseitiges bis unattraktives Areal, Wechselwirkungen mit anderen kulturellen Einrichtungen wie etwa beim Residenz- oder Pinakotheken-Vorschlag nicht möglich, zu bestimmten Zeiten Kollision mit anderen Ereignissen und daher schwer steuerbare Besucherströme (Wiesn, Circus-Krone-Veranstaltungen). Die Vorteile: keine Ankaufskosten, da im Eigentum des Freistaats, S-Bahn-Anschluss (Hackerbrücke) und U-Bahnhof (Maillingerstraße) in vertretbarer Entfernung, Nähe zum Bayerischen Rundfunk, neuer städtebaulicher und entwicklungspolitischer Akzent in einem – bis auf die Circus-Krone-Konzerte – kulturell bislang „unverdächtigen“ Gebiet.

Finanzgarten an der Galeriestraße

Finanzgarten an der Galeriestraße

Dies ist – nach dem ursprünglich verfolgten und dann geplatzten Marstall-Plan – die älteste Variante. Der Finanzgarten an der Galeriestraße hat früher den Hofgarten direkt mit dem Englischen Garten verbunden. Gedacht ist nicht an eine Rodung des (geschützten) Grün-Areals, sondern an die 3500 Quadratmeter große Baulücke zwischen dem Waldstück und dem Landwirtschaftsministerium. Der Bebauungsplan der Stadt München sähe dort ohnehin eine zweigeschossige Tiefgarage vor. Die Nachteile: eventuelle Gefährdung des Waldbestandes durch die Bauphase und den Saalbetrieb, mögliche Beeinflussung durch den nahe gelegenen Altstadt-Tunnel (Vibrationen), aus Sicht der Denkmalschützer ein zu großer Kontrast zur Umgebung (Hofgarten-Arkaden). Die Vorteile: Nähe zur U-Bahn und zu vielen anderen kulturellen Einrichtungen, ohnehin schon vorgesehene Einstufung als Platz für eine Bebauung, Aufwertung des „Randbereiches“ dieses Kultur-Areals, attraktive Lage, die zum Flanieren einlädt (Parks).

TU-Gelände an den Pinakotheken

TU-Gelände an den Pinakotheken

Dieser Standort war (oder ist vielleicht noch?) der Favorit von Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP). Es dreht sich um das Areal an der Theresienstraße, nördlich der Pinakothek der Moderne. Die dortigen TU-Gebäude sollen ohnehin abgerissen werden, es entstünde also genug Raum für einen Konzertsaal. Die Nachteile: relativ weit entfernte U-Bahnhöfe (Odeonsplatz, Königsplatz), kaum mehr Ausdehnungsmöglichkeiten für die dortigen Museen, problematische Straßenführung. Die Vorteile: mehr als vollwertiger Ersatz für die TU-Gebäude; neuer städtebaulicher und nutzungstechnischer Akzent; Fortführung und Erweiterung des weltweit fast einmaligen Museumsquartiers zu einem Areal mit kultureller „Mischnutzung“; abendliche Belebung dieses Bezirks, in dem es nach Schließung der Museen deutlich stiller wird; Anknüpfung an Historisches – die im Jahre 1944 durch einen Bombenangriff zerstörte Tonhalle, einstige Heimat der Philharmoniker, lag an der Türkenstraße.

von Markus Thiel

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