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Moni, Karl, Burgi, Christoph, Bärbi und Michael Well (v. li.) haben alte Lieder gesammelt, die in ihrer unverfälschten Frömmigkeit besonders berühren. 

Geschwister Well mit Neuerscheinung

A scheene Leich – a echte Freid

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München - Die Geschwister Well singen bairische Lieder vom Tod - eine Kritik zur Neuerscheinung von "A scheene Leich".

„Heute bin ich rot und morgen bin ich tot/ Und heute sind noch meine Wangen rot./ Sie tragen mich hinaus und nicht mehr herein,/ Sie tragen mich auf ewig in den Friedhof rein./ Alle meine Herrn, um was ich euch noch bitt:/ Um ein Vater unser, der du bist.“ Moni, Karl, Burgi, Bärbi, Christoph und Michael Well haben sich wieder einmal zusammengetan mit Gerhard Polt, um an die Tradition der scheena Leich zu erinnern. Diese Art des bairischen Pompe funèbre ist für uns Städter ziemlich untergegangen, wird aber am Land schon noch gepflegt. Deswegen kennen sich die Musikanten-Wells damit bestens aus, und deswegen ist die CD „A scheene Leich“ für alle Seiten a echte Freid.

Die Wells haben alte Lieder gesammelt, die in ihrer innigen, unverfälschten Frömmigkeit, in ihren bisweilen geradlinig naiven Versen und ihren schlichten Melodien besonders berühren. Das ist meist a cappella gesungen – unverschnörkelt, kitschfrei und gar nicht so, als wäre hier der musikalische Denkmalschutz unterwegs. Man merkt als Hörer sofort, dass diese Werke zum Leben der Wells gehören. Das betonen sie auch im Vorwort des CD-Begleitheftchen, das geprägt ist von Hans-Peter Hösls intensiven Schwarz-Weiß-Fotos: „,A scheene Leich‘ ist unser ganz persönlicher Kanon der traditionellen, bairischen ,Lieder vom Tod‘. Eine Lieder- und Musiksammlung, die wir sehr lieben und schätzen.“ Dem kann man nur von Herzen zustimmen. Schade dabei nur, dass die Tonqualität manchmal nicht optimal ist. Darunter leidet vor allem die Textverständlichkeit.

In diesen Kanon haben die Geschwister übrigens ganz selbstverständlich Mozart („Ave Verum“), Bach („Siziliana“), Fritz Kreisler („Andantino“) und Anton Günther („Feierabend“) eingemeindet – übrigens auch „Ich hatt’ einen Kameraden“. Damit kann man nur einverstanden sein, denn es wird wunderherrlich frisch musiziert, inklusive Geigen- oder Trompetensolo. Das Schöne an dem Sextett, das zum Teil von Maria und Marisa Well unterstützt wurde, ist ihr musikantisches Spiel. Nichts ist virtuosen- oder computergeglättet, sondern naturbelassen.

Dass’s bei a scheena Leich nach dem besinnlichen Teil a zerm zuageht, dafür stehen bei der CD zwei Größen: zum einen das letzte Lied, zum anderen Gerhard Polt. Das Memento Mori löst eben nicht immer Gottesfürchtigkeit aus. Es gibt auch eine Art transzendierte Lebenslust à la Brandner Kasper; auf der Platte besungen in: „Und wann i amoi gstorbn sollt sei,/ Auf grabts mi im Keller drunt ein,/ Beim Wirt hinterm Fass, denn mei Magn hats gern nass,/ a lustiger Freidhof wär das!“ Übertroffen wird das nur noch von fünf Grabrednern, die dem Lechbichler Anderl das letzte Geleit geben. Mit Stimmvarianten, Tonfall, Syntax-Spielereien sowie Sprechrhythmus und -verschleifungen modelliert Polt den Pfarrer (natürlich mit Ratzinger-Sound), den Veteranenvereinsvorstand, den Obst- und Gartenbauvereinspräsidenten („Du bist im Garten unseres Herzens verwurzelt.“), den Schäferhundzüchtervereinsvorsitzenden („Bleib, wie Du bist“ – bei einem Toten!) und den „ImmoPlus-Vertreter“.

Bei solch einem Hörspiel hat man die scheene Leich zu Ehren vom Anderl so richtig vor Augen – und freut sich auf Allerheiligen und Allerseelen.

Geschwister Well:

„A scheene Leich“ (Well Musik).

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