Welle der Begeisterung

- "Ein beglückendes Geschenk an die musikalische Welt", schwärmte der Münchner Merkur, als das Cuvilliés-Theater am 14. Juni 1958, rechtzeitig zum 800. Geburtstag der Stadt, strahlend wiedereröffnet wurde - mit Mozarts Oper "Figaros Hochzeit". Ein das Rokoko frech sprengendes Stück in einem Rokoko-Bau, der aus den Ruinen des Zweiten Weltkriegs auferstanden war: das schönste, das darf man als Münchnerin sagen, Theater der Welt.

<P>Künstler und Publikum sahen das genauso, deswegen arbeitete die Bühne, die eigentlich nur für ein paar Vorstellungen im Jahr ausgelegt war, seit fast 50 Jahren auf Hochtouren. <BR>Im vergangenen Jahr musste sie aus Sicherheitsgründen geschlossen werden; eine Sanierung war überfällig. Da 2008 abermals ein Jubiläum ansteht, wäre es wunderschön, erneut in der Schmuckschatulle aus Putten und Rocaillen feiern zu können. Die Zeit drängt also. Aber der Staat hat nur Geld, in kleinen Tranchen, auf Jahre gestreckt, zu renovieren. </P><P>Es bestand die Gefahr, dass die Bühne nicht mehr bespielbar gewesen wäre, sondern nur noch musealer Raum. Da kommt das Comité Cuvilliés - Freunde des Cuvilliés-Theaters ins Spiel. Es bringt staatsbürgerliches Engagement ein - unter der Schirmherrschaft des kunstsinnigen Residenz-"Hausherren" Herzog Franz von Bayern. Er betont das "große Anliegen" und, "dass die Bemühungen um das Cuvilliés-Theater nicht von einigen wenigen getragen werden sollten, sondern von möglichst vielen; eine Begeisterungswelle soll durchs Land gehen."</P><P>Das unterstreichen ebenfalls Roland Berger, Vereinsvorsitzender, und Finanzminister Kurt Faltlhauser. Er gab den Impuls, das Comité zu gründen. Wenn von privater Seite zehn Prozent der Sanierungssumme (22 Millionen Euro) gespendet und damit eine breite und massive Unterstützung für ein lebendiges Theater demonstriert würde, dann wäre auch die Überzeugungsarbeit in Kabinett und Landtag leichter. Er hält das gesteckte Ziel für realistisch. Die normalen Haushaltsmittel, die Finanzspritze von den Bürgern und Zusatzmittel für 2005/06 aus Privatisierungserlösen "machen mich zuversichtlich, dass wir's hinkriegen". </P><P>Berger ergänzt, man sei "nahe an der Million", und freut sich, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann - "ausgebildeter Opernsänger" - nicht nur als Spender (250 000 Euro), sondern auch als Spenden-Sammler gewonnen zu haben. Gewonnen hat man auch die Münchner Tageszeitungen - der Verleger unseres Blattes gehört zu den CC-Gründungsmitgliedern. </P><P>Ab Februar werben sie zusammen mit Künstlern von Edita Gruberova über Mario Adorf bis zu den Well-Brüdern in Anzeigen für die Revitalisierung der Bühne. Natürlich engagieren sich auch alle Kunstinstitutionen und -vereine fürs Cuvilliés-Theater. Auf diese Weise hofft das Comité, bis zum Sommer 2,2 Millionen Euro einfahren zu können, auf dass Haushaltsberatungen und Kabinettsbeschlüsse leichter fallen: natürlich pro Cuvilliés-Theater.</P><P>Spenden: HypoVereinsbank München, BLZ 700 202 70, Konto 52 028 000.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
Rupert Grint über die Gangsterserie „Snatch“ und sein Entkommen aus der Gefangenschaft des „Harry Potter“-Universums.
„Als Verbrecher wäre ich ein Versager“
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Eine bessere Sängerbesetzung für diesen neuen „Tannhäuser“ an der Bayerischen Staatsoper lässt sich nicht finden - wohl aber ein besserer Regisseur. Die rituellen Bilder …
„Tannhäuser“ in München: Zeit der Künstlichkeit
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
Franz Ferdinand, Feist und Judith Holofernes sind nur drei Acts, die beim diesjährigen „Summer‘s Tale“ auftreten. Unter Musik-Kennern längst bekannt, ist das Festival …
Weltstars inmitten der Natur - Dieses Festival ist eine Reise wert
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie
Das BR-Symphonieorchester unter Mariss Jansons reiste von München nach Hamburg und gab sein Debüt in der Elbphilharmonie. Wir haben dieses besondere Gastspiel begleitet. 
BR-Symphoniker erproben die Elbphilharmonie

Kommentare