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Am Namenstag der Santa Ursula sind die Menschen im spanischen Valls auf den Beinen. Zu Ehren der Schutzheiligen bauen die Männer auf dem Rathausplatz einen Turm aus Menschen. Gereon Wetzel hat das Treiben in seinem Film „Castells“ (2006) beobachtet.

Die Welt auf 16 Millimeter

München - Für „Subjektiv“ kooperierten erstmals die Pinakothek der Moderne und die Hochschule für Fernsehen und Film.

Ein Film gehört ins Kino. Und ein Museum ist kein Lichtspielhaus. Was also hat die Kuratoren geritten, sich ausgerechnet in der Münchner Pinakothek der Moderne dem „Dokumentarfilm im 21. Jahrhundert“ zu widmen? Das Scheitern der Schau scheint programmiert – und bleibt dennoch aus.

Denn für „Subjektiv“ haben sich Partner gefunden, die sich ergänzen und von Juli an zudem Nachbarn sein werden. Dann ist der Neubau der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) an der Gabelsbergerstraße im Münchner Museumsviertel schräg gegenüber der Pinakothek der Moderne fertig. Und die jetzt eröffnete Dokumentarfilm-Ausstellung macht neugierig auf mögliche künftige Kooperationen der Häuser.

Die Kuratoren Bernhart Schwenk von der Pinakothek und Heiner Stadler, Inhaber des Dokumentarfilm-Lehrstuhls an der HFF, vermeiden es geschickt, aus der Schau ein Filmfest zu machen. „Das Museum will und kann das Kino nicht ersetzen“, sagt Schwenk. In „Subjektiv“ geht es – der Titel legt das nahe – um anderes: Die Ausstellung ist ein Nachdenken über dokumentierte Realität, darüber, dass jeder, der eine Kamera zur Hand nimmt, um einen Vorgang aufzuzeichnen, diesen bereits dadurch manipuliert. „Subjektiv“ verrät einiges über das Medium Film – ohne den Besucher unter Theorien zu begraben.

Subjektiv sind bereits die Ausstellungsmacher an das Thema herangegangen: Journalistische (Fernseh-)Formate wurden nicht berücksichtigt, stattdessen hat das Duo Schwenk/Stadler 88 Filme ausgewählt, die in den vergangenen zehn Jahren im Umfeld der HFF entstanden sind und meist auf 16 Millimeter gedreht wurden. Präsentiert werden diese in der „Filmstadt“, wie Rose Epple und Detlef Weitz ihren Museumsraum nennen. Die Berliner Ausstellungs-Architekten haben bereits vor fünf Jahren in der großartigen „Pasolini und der Tod“-Schau am selben Ort gezeigt, wie elegant sie bewegte Bilder in einem Museum zeigen können. Für „Subjektiv“ haben sie also die Filmstadt entworfen, realisiert mit überraschend wenig sichtbarem Technikaufwand: Podeste (Basis aller Austellungen) sind symmetrisch im Raum angeordnet. Auf ihnen ist eine Projektionsfläche, kaum größer als ein Laptop-Bildschirm, angebracht, auf der die Filme zu sehen sind. Wer will, kann sich die Tonspur über eine Ohrmuschel dazuholen. Das Licht ist gedimmt, so reizen allein die bewegten Bilder zum Näherkommen: Da blitzt ein Motiv auf, das betrachtet sein will. Dort macht eine ungewöhnliche Kameraeinstellung neugierig. Und schon ist man gebannt und wird hineingezogen in ein unbekanntes Land, ein fremdes Leben. Schon erlebt man die Kunst eines – guten – Dokumentarfilms ganz unmittelbar. Für eine erste Ordnung sorgten die Kuratoren, die die gezeigten Produktionen unter Schlagworten wie „Konflikt“, „Ritual“ oder „Tagebuch“ sortierten. „Subjektiv“ ist eine Ausstellung genau zur rechten Zeit: Nicht nur, weil sie Freude macht auf die kommende Nachbarschaft von HFF und den Pinakotheken, sondern auch, weil die ARD-Verantwortlichen gerade den einzigen Sendetermin für Dokus im Ersten (montags, 21 Uhr) gestrichen haben. Ein guter Dokumentarfilm, sagt Heiner Stadler, verfolge immer eine „subversive Strategie“. Dazu könne gehören, „Nähe zum Publikum herzustellen“. Hier gelingt’s.

Bis 20. Februar,

Katalog, erschienen in der Edition Text+Kritik: 24,80 Euro; Telefon: 089/ 23 80 53 60.

Rahmenprogramm:

Zur Ausstellung „Subjektiv“ gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm: Im Ernst-von-Siemens-Auditorium in der Pinakothek der Moderne wird jeden Tag ein anderer Film gezeigt: „68 Tage – 68 Filme“. Am selben Ort diskutieren einmal in der Woche Filmemacher – zum Auftakt ist am Donnerstag, 9. 12., Doris Dörrie zu Gast (18.30 Uhr). Und im Maximilians-Forum ist bis 6. Januar die Dokumentarfilm-Ausstellung „Schnitt – Raum“ zu sehen.

Von Michael Schleicher

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