Die Welt im Spiegel

- Einst wurde dieser "Großen Münchner Kunstausstellung" vorgeworfen, sie sei ein Supermarkt, ein "Gemischtwarenhandel": als Jahresschau der drei im Haus der Kunst dominierenden Künstlergruppen allzu sehr auf den Verkaufserfolg bedacht und auf die Hierarchie der eigenen Mitglieder. Mit dem Ergebnis, dass die Zusammensetzung der Werke "gestaltet" und nicht mehr auf herausragende Einzelwerke hin konzipiert werden sollte.

Die räumliche Trennung der drei Partner - Neue Gruppe, Genossenschaft und Secession - wurde aufgegeben, um Abfolgen nach Stil und Machart bilden zu können. Als nicht mehr nach Originalen, sondern nur noch aufgrund von Fotos und Katalogen juriert werden konnte, wurde das immer schwieriger. Allein von den Formaten her unterliefen allerlei Irrtümer. Um dem Mischmasch-Verdacht zu entgehen, wurde alljährlich ein neues Motto gesucht. Heuer lautet die Devise "Through the looking glass". Gemeint ist die "Spiegelung von Außenwelt und Innenwelt, Exterieur und Interieur" - in Spannungsverhältnissen.

In Frage gestellt und transitorisch erlebt werden sollen laut vorjähriger Ausschreibung die Polaritäten von "real" und "fiktiv", "innen" und "außen", "subjektiv" und "objektiv". Um dem inhaltlichen Konzept einen "roten Faden" zu geben, wurden 15 angeblich international bekannte Künstler um einschlägige Beiträge gebeten.

Vier Katalogaufsätze zeigen an, was hier vollzogen wird: eine schier erbarmungslose Intellektualisierung auf Kosten des Kunstwerks. Sogar ein Physiker kam zu Wort: Gerd Buschhorn, Spezialist für die "Erzeugung von Elementarteilchen bei hohen Energien und die Struktur des Protons". Beiträge zur Psychologie der menschlichen Wahrnehmung fehlen. Ein Psychoanalytiker oder LSD-Spezialist hätte mehr zu sagen zum Thema.

Die in Nord- und Südgalerie gespaltene Schau der Installationen und Bilder, der Video-Programme, Großfotos und Skulpturen erreicht ihren eindringlichsten Teil mit Michael Weselys acht riesigen Pigment-Drucken mit zerfallenden, überwucherten Gebäuden und Räumen im Brandenburgischen. Was der Mensch errichtete, holt sich die Natur zurück, innen wie außen.

Vorwiegend läppisch

Wer fotografisch objektiviert, hat es relativ leicht: Die Auswahl macht's - und dann die Technik -, ob es nun um lange, rückseitige Haarschwänze geht (Nicole Frenzel), um eine alt und einsam Liegende im Gras (Florian Denk), um ein Stück Hochgebirge an der Wachstumsgrenze (Toni Schuierer), um eine aufgetakelte, herbe Dame auf dem Zebrastreifen (Ian Hailey) oder um den Glatzkopf (samt Hund) im weißen langen Hochzeitskleid, mitten im Wald (Uwe Zimmermann). Wer fotografisch präzise malt, macht sich viel Arbeit, kann aber mit den Details die Interpretation bewirken: Max Pfaller mit seinen parkenden Luxus-Karossen, in deren Lack sich die Architektur spiegelt, und Frank Schäpel mit genau definierten Sitzfiguren. Bei Alto Hien genügen zwei mattfarbige Gummistiefel, um an "eine glückliche Kindheit" zu erinnern.

Die verzwicktesten Beiträge zum gestellten Thema liefert der jetzt 90-jährige Surrealist Helmut Ulrich, gefolgt von Christoph Drexler mit seinen verspiegelten Raumproblemen, von Rubin Hirschbecks absurden Wand- und Bodenstützaktionen sowie von Bodo Rotts das Augenlicht verdeckenden Kinderspielen. Die Projektionen und Video-Programme in den Kabinetten sind vorwiegend läppisch.

Bis 21. Mai täglich 10-20 Uhr, Katalog 15 Euro; Tel. 089/22 26 55.

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